Lupe
Erhöht eine Zahnfleischerkrankung das Demenzrisiko? Was die japanische Zehnjahresstudie gefunden hat
Der Zusammenhang wird gemessen und in anderen Studien wiederholt; ein Ursachenzusammenhang ist jedoch weiterhin nicht gezeigt.
Die Studie, die im September 2026 in die Nachrichten kam, stammt aus Japan: 1.396 Menschen über 60 Jahre wurden zehn Jahre lang beobachtet, und in der Gruppe mit den schlechtesten Zahnfleischwerten wurde häufiger eine Demenz diagnostiziert. Die Schlagzeilen machten daraus „Zahnfleischbluten erhöht das Demenzrisiko um mehr als 50 Prozent“. Die Studie selbst sagt diesen Satz nicht. Im Folgenden trennen wir, was die Arbeit gemessen hat, welche Zahl sie nennt und welche Frage sie offenlässt.
Kurze Antwort
Die Studie zeigt, dass bei Menschen mit schlechten Zahnfleischwerten in den folgenden zehn Jahren häufiger eine Demenz diagnostiziert wurde: Im Viertel mit der größten Taschentiefe lag das Risiko 1,72-mal so hoch wie im Viertel mit der geringsten. Das ist jedoch eine Beobachtungsstudie; sie beweist nicht, dass das Zahnfleisch eine Demenz auslöst, sondern zeigt, dass beides gemeinsam auftritt. Eine randomisierte Studie, die zeigt, dass eine Parodontalbehandlung das Demenzrisiko senkt, gibt es heute ebenfalls nicht. Für die Behandlung Ihres Zahnfleischs gibt es ohnehin genug Gründe; dafür brauchen Sie keine Demenzschlagzeilen.
- Die Studie
- Japan, Hisayama-Kohorte; 1.396 Menschen über 60 Jahre, 10 Jahre Nachbeobachtung
- Hauptbefund
- In der Gruppe mit den tiefsten Taschen ein 1,72-faches Demenzrisiko (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,18 bis 2,46)
- Stärke der Evidenz
- Beobachtend; in Übersichtsarbeiten die Sicherheit auf der GRADE-Skala „sehr niedrig“
- Was fehlt
- Es gibt keine randomisierte Studie, die zeigt, dass eine Parodontalbehandlung eine Demenz verhindert
Was die Studie gemacht und was sie gefunden hat
Die Untersuchung stammt aus der Hisayama-Kohorte, die ein Team der Kyushu-Universität betreut, und wurde im August 2026 in der Zeitschrift Journal of Clinical Periodontology veröffentlicht. 1.396 Menschen ab 60 Jahren, die zu Beginn keine Demenz hatten, wurden zehn Jahre lang beobachtet. Der Zustand des Zahnfleischs wurde sowohl zu Beginn als auch im fünften Jahr gemessen; dabei kamen drei Messgrößen zum Einsatz: die mittlere Taschentiefe, der Attachmentverlust und der Anteil der Stellen, die beim Sondieren bluten.
Am Ende der zehn Jahre hatten 267 der 1.396 Menschen eine Demenz entwickelt. Davon waren 194 vom Alzheimer-Typ und 51 vaskuläre Demenzen. Rund ein Fünftel der Gruppe erhielt also in dieser Zeit eine Diagnose; die Studie beobachtete ohnehin eine ältere Bevölkerung.
Für jede der drei Messgrößen wurden die Teilnehmenden von der besten bis zur schlechtesten in vier Gruppen geteilt. Vergleicht man die schlechteste mit der besten Gruppe, ergab sich für die Taschentiefe ein 1,72-faches Demenzrisiko (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,18 bis 2,46), für den Attachmentverlust ein 1,59-faches (1,07 bis 2,38) und für die Blutung ein 1,56-faches (1,09 bis 2,22). Für die Demenz vom Alzheimer-Typ zeigte sich ein bedeutsamer Zusammenhang nur bei der Messgröße Blutung. Bei der vaskulären Demenz bestand für die Taschentiefe ein Trend, doch dieses Ergebnis erreichte keine statistische Signifikanz.
Diese drei Messgrößen sind nichts, was Patientinnen und Patienten spüren, sondern etwas, das die Zahnärztin oder der Zahnarzt misst. Die Taschentiefe ist der in Millimetern gemessene Spalt zwischen Zahnfleisch und Zahn. Der Attachmentverlust gibt an, wie viel von dem Bindegewebe verloren gegangen ist, das den Zahn im Kiefer hält. Die Blutung beim Sondieren ist der Anteil der Stellen, die bei der Untersuchung auf Berührung bluten, also wie lebendig die Entzündung gerade ist. Die Blutung, die Ihnen zu Hause auffällt, kann ein grober Hinweis darauf sein, dasselbe ist sie aber nicht.
„1,72-mal so hoch“ ist eine relative Zahl und wirkt für sich gelesen größer, als sie ist. Wie wahrscheinlich eine Demenz bei einer Person in zehn Jahren ist, hängt von ihrem Alter, ihrer Familie und ihren anderen Erkrankungen ab; diese Studie erlaubt es Ihnen nicht, diese Wahrscheinlichkeit anhand des Zahnfleischs neu zu berechnen. Was sie sagt, ist bescheidener: In derselben Altersgruppe wurde bei Menschen mit schlechten Zahnfleischwerten häufiger eine Diagnose gestellt.
Es ist auch nicht die einzige Studie. Eine 2026 veröffentlichte Dachübersicht fand, als sie die Metaanalysen zum Thema zusammenführte, bei Menschen mit einer Zahnfleischerkrankung ein 1,65-fach höheres Risiko für eine leichte kognitive Störung, ein 1,53-fach höheres Alzheimer-Risiko und ein 1,54-fach höheres Demenzrisiko. Dieselbe Übersichtsarbeit ordnete die Evidenz in die schwächste Klasse ein (Klasse IV) und bewertete ihre Sicherheit auf der GRADE-Skala als „sehr niedrig“. Die Richtung ist also einheitlich, das Vertrauen gering.
Zum Vergleich: Der Bericht der Lancet-Kommission von 2024 zur Demenzprävention sagt, dass rund 45 Prozent der Fälle weltweit mit 14 veränderbaren Faktoren zusammenhängen. Zu diesen 14 Faktoren gehören Hörverlust, Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, Bewegungsmangel, soziale Isolation und Luftverschmutzung. Die Zahnfleischerkrankung steht nicht auf dieser Liste. Während die Literatur zu diesem Zusammenhang wächst, führt die meistgenutzte Präventionsliste des Feldes sie noch nicht als belegten Faktor.
Auch wie dieser Zusammenhang zustande kommt, ist nicht bekannt. Es gibt Erklärungsvorschläge: die Spuren, die eine anhaltende Entzündung im ganzen Körper hinterlässt, der Übertritt von Mundbakterien und ihren Produkten in den Blutkreislauf, eine gestörte Ernährung durch Kauschwierigkeiten sowie gemeinsame Ursachen wie Rauchen und Diabetes, die beide Seiten betreffen. Auch das Umgekehrte ist möglich: Die frühe Phase einer Demenz erschwert das Zähneputzen und den Gang zum Termin, schlechtes Zahnfleisch wäre dann nicht die Folge selbst, sondern ihr Vorbote. Diese Möglichkeiten kann die Studie nicht voneinander trennen.
Wen dieser Befund betrifft
Die folgende Unterscheidung zeigt, in welchen Situationen diese Nachricht praktisch etwas ändert und in welchen nicht. Keine davon ersetzt eine persönliche Beurteilung.
Wann es passt
- Wer beim Zähneputzen regelmäßig blutetGesundes Zahnfleisch blutet beim Putzen nicht. Eine anhaltende Blutung ist ein Zeichen der Entzündung, und genau das ist eine der drei Größen, die in dieser Studie gemessen wurden. Das ist ohnehin ein Grund für eine Untersuchung; die Demenzschlagzeile kann ein Anlass sein, sie vorzuziehen, aber sie ist nicht die einzige Begründung.
- Wer zurückgegangenes Zahnfleisch und lockere Zähne hatDer Attachmentverlust, also der Verlust des Gewebes, das den Zahn hält, war die zweite Messgröße der Studie. Lockerung und freiliegende Wurzeloberflächen sind das fortgeschrittene Stadium davon. Hier geht es vor der Demenz um den Zahn selbst: In diesem Stadium kann es noch möglich sein, den Verlust aufzuhalten.
- Menschen mit DiabetesDiabetes verschlechtert den Verlauf der Zahnfleischerkrankung und gilt zugleich als anerkannter Risikofaktor für eine Demenz. Eine gemeinsame Ursache, die beide Seiten betrifft, sieht genau so aus; wie der Blutzucker verläuft, wirkt sich bei beiden Themen zugleich aus.
- Wer wegen einer Demenz in der Familie aufmerksam istDie Liste dessen, was Sie selbst in der Hand haben, ist kurz, und das meiste davon liegt außerhalb der Zahnmedizin: Blutdruck, Hören, Bewegung, Rauchen. Die Mundpflege steht auf dieser Liste vorerst nicht als belegter Punkt, sondern als eine Aufgabe, die ohnehin ansteht.
Wann eher nicht
- Wer das für einen Suchtest hältZahnfleischwerte lassen sich nicht als Vorboten einer Demenz verwenden. Bei den meisten Menschen mit Blutung entsteht keine Demenz, und bei den meisten Menschen, die eine Demenz entwickeln, waren die Zahnfleischwerte nicht schlecht. Diese Zahlen beschreiben Bevölkerungsgruppen, nicht einzelne Menschen.
- Wer von der Behandlung ein Schutzversprechen erwartetEs gibt keine randomisierte Studie, die zeigt, dass eine Parodontalbehandlung den geistigen Abbau verlangsamt. Aktuelle Übersichtsarbeiten zum Thema finden die Evidenz zur Wirkung von Maßnahmen der Mundgesundheit auf kognitive Ergebnisse begrenzt und uneinheitlich. Sagt man Ihnen das Gegenteil, steht heute keine Studie dahinter.
- Wer sich trotz gesunden Zahnfleischs Sorgen machtWurden Taschentiefe und Blutung bei der Untersuchung normal befunden, sagt Ihnen dieses Thema nichts Zusätzliches. Wollen Sie über Ihr Demenzrisiko sprechen, ist Ihre Ärztin oder Ihr Arzt die richtige Ansprechperson; die belegten Faktoren auf der Liste liegen außerhalb des Mundes.
Wie der Zustand des Zahnfleischs in der Praxis gemessen wird
Die drei Messgrößen der Studie sind zugleich die drei Messgrößen einer gewöhnlichen Zahnfleischuntersuchung. Zu wissen, was im Termin geschieht, macht es leichter, den Befund zu lesen, den man Ihnen gibt.
- 1
Das Sondieren
Ein dünnes Instrument mit stumpfer Spitze und Millimetermarkierung wird in den Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch eingeführt, und die Tiefe wird gemessen. Bei jedem Zahn wird an mehreren Punkten gemessen. In gesunden Bereichen ist dieser Spalt flach; wird er tiefer, heißt das, dass die Entzündung das Gewebe nach unten vorangetrieben hat.
- 2
Das Festhalten der Blutung
Während desselben Sondierens wird festgehalten, welche Punkte bluten, und der Wert wird als Prozentsatz notiert. Diese Zahl zeigt, wie lebendig die Entzündung an diesem Tag ist, und sie ist die Messgröße, die sich nach der Behandlung am schnellsten ändert.
- 3
Das Messen des Rückgangs
Gemessen wird, wie weit der Zahnfleischrand auf der Wurzel nach unten gewandert ist. Zusammen mit der Taschentiefe ergibt sich daraus der Attachmentverlust, also wie viel von dem Gewebe verloren ist, das den Zahn hält. Das war die zweite Messgröße der Studie.
- 4
Das Röntgenbild
Die Messung der Tasche beschreibt das Weichgewebe; wie weit der Knochen reicht, zeigt die Aufnahme. Beides wird zusammen gelesen, denn unter zwei gleich tiefen Taschen kann unterschiedlich viel Knochen liegen.
- 5
Behandlung und erneute Messung
Die Entfernung von Zahnstein und die Reinigung der Wurzeloberflächen können sich über mehrere Sitzungen verteilen. Danach werden dieselben Messungen wiederholt; das Ziel ist, dass die Blutung zurückgeht und tiefe Taschen flacher werden. Bei einer Behandlung ohne erneute Messung weiß man nicht, was dabei herausgekommen ist.
- 6
Das Festlegen des Nachsorgeintervalls
Eine Zahnfleischerkrankung gilt nicht als abgeschlossen, sie wird weiter beobachtet. Das Intervall wird für jede Person einzeln festgelegt, und die Messungen werden bei jeder Kontrolle wiederholt. Wird dieses Intervall nicht eingehalten, geht der gewonnene Boden meist wieder verloren.
Was Sie wirklich in der Hand haben
Das meiste von dem, was sich nach dem Lesen dieses Themas tun lässt, wird unabhängig von der Demenzliteratur ohnehin empfohlen. Die Reihenfolge richtet sich nach der Stärke der Evidenz.
Das am besten Belegte liegt außerhalb des Mundes
Die Liste der Lancet-Kommission besteht aus Bluthochdruck, Hörverlust, Rauchen, Bewegungsmangel, Diabetes, sozialer Isolation und einigen weiteren Punkten und wird mit rund 45 Prozent der Fälle in Verbindung gebracht. Diese Liste ist heute der am besten belegte Weg, das Demenzrisiko zu senken.
Eine Parodontalbehandlung wird aus eigenem Grund gemacht
Die Behandlung stoppt die Blutung, verlangsamt den Knochenabbau und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Zähne bleiben. Das sind gemessene und wiederholt bestätigte Ergebnisse. Sie wird nicht als Schutzversprechen gegen eine Demenz gemacht, sondern für Ihre Zähne.
Das Rauchen begegnet Ihnen auf beiden Seiten zugleich
Rauchen verschlechtert das Ergebnis einer Parodontalbehandlung deutlich und steht zugleich auf der Liste der Demenzrisiken. Es ist eine der wenigen Stellen, an denen eine einzige Veränderung beide Themen berührt.
Kauen zu können ist die Voraussetzung für die Ernährung
Der Verlust vieler Zähne kann dazu führen, dass hartes Gemüse und Eiweiß gemieden werden. Das ist unabhängig von der Demenzdebatte eines der bekannten Ernährungsprobleme im Alter; wenn darüber gesprochen wird, wie die Lücken geschlossen werden, gehört auch diese Seite dazu.
Wenn wegen des Zahnfleischs die meisten Zähne verloren sind
An diesem Punkt geht es nicht mehr darum, das Zahnfleisch zu retten, sondern darum, wie die Lücken geschlossen werden. Ob der heutige Zustand Ihres Mundes für eine festsitzende Lösung geeignet ist, sagt Ihnen die Zahnärztin oder der Zahnarzt, die die dreidimensionale Aufnahme sieht; schreiben Sie uns über das Anmeldeformular, dann ruft das Klinikteam Sie an und hört sich Ihre Situation an.
Punkte, die beim Lesen dieser Nachricht leicht übersehen werden
Der Unterschied zwischen der Studie selbst und der Nachricht darüber ist das, was bei diesem Thema am häufigsten missverstanden wird. Wir haben ihn unter fünf Überschriften gesammelt.
Ein relativer Anstieg ist kein absoluter Anstieg
„1,72-mal so hoch“ ist das Verhältnis zweier Gruppen zueinander. Es sagt nicht, wie sehr sich Ihre eigene Wahrscheinlichkeit über zehn Jahre verändert, denn diese hängt von Ihrem Alter und Ihren anderen Erkrankungen ab. Schlagzeilen setzen diese beiden Zahlen häufig füreinander ein.
Die Frage der Reihenfolge ist nicht geklärt
Die frühe Phase einer Demenz kann die tägliche Pflege schon Jahre vor der Diagnose beeinträchtigen. In diesem Fall wäre schlechtes Zahnfleisch nicht die Ursache der Erkrankung, sondern eine frühe Spur von ihr. Beobachtungsstudien tun sich schwer damit, diese beiden Richtungen zu trennen; die Arbeit schreibt das auch ausdrücklich.
Gemeinsame Ursachen bringen beides zugleich mit sich
Rauchen, Diabetes, ein niedriges Bildungsniveau und das Alter wirken sich jeweils sowohl auf die Zahnfleischerkrankung als auch auf die Demenz aus. Statistische Modelle versuchen, das einzurechnen, doch ein nicht gemessener Faktor kann immer übrig bleiben.
Eine Bevölkerung, eine Kohorte
Die Hisayama-Kohorte ist eine Bevölkerung in Japan, die mit ihren eigenen Ernährungsgewohnheiten und ihrem eigenen Gesundheitssystem lebt. Dass das Ergebnis in anderen Ländern gleich groß ausfällt, ist nicht gesichert; deshalb liest man den Mittelwert aus Dachübersichten als verlässlicher als eine einzelne Studie.
Die Evidenz selbst steht in einer schwachen Klasse
Die Dachübersicht des Feldes aus dem Jahr 2026 ordnete die Befunde in die schwächste Evidenzklasse ein und bewertete die Sicherheit als „sehr niedrig“. Das heißt nicht, dass der Zusammenhang zu übergehen wäre; es heißt, dass es zu früh ist, sicher zu sprechen.
Die folgenden Wochen, wenn eine Parodontalbehandlung beginnt
Der folgende Ablauf beschreibt den allgemeinen Verlauf nach einer Zahnfleischbehandlung, die keine Operation erfordert. Er ist von Mensch zu Mensch verschieden.
Die ersten Tage
Nach der Reinigung können Empfindlichkeit und eine Reaktion auf Warmes und Kaltes auftreten. Der Zahnfleischrand kann in den ersten Tagen leichter bluten; das lässt meist nach, wenn die Entzündung zurückgeht.
Zwischen der zweiten und der vierten Woche
Zu erwarten ist, dass die Blutung beim Putzen abnimmt. Geht das Zahnfleisch zurück, kann die Wurzeloberfläche frei liegen, die zuvor von der Tasche bedeckt war; das ist keine Verschlechterung, sondern die Erholung des entzündeten Gewebes.
Zwischen der sechsten und der achten Woche
Die Messungen werden wiederholt. Gesucht wird ein niedrigerer Prozentsatz der Blutung und eine geringere Tiefe der tiefen Taschen. Haben einzelne Bereiche nicht angesprochen, wird in diesem Stadium über einen weiteren Eingriff gesprochen.
Danach
Das Intervall der Nachsorge wird für jede Person einzeln festgelegt, und bei jeder Kontrolle werden dieselben Messungen gemacht. Eine Zahnfleischerkrankung ist kein abgeschlossenes Ereignis, sondern ein Zustand, der beobachtet wird.
Warten Sie in diesen Fällen nicht
- Wenn die Blutung noch Wochen nach der Behandlung anhält. Zu erwarten ist eine Abnahme. Hält sie an, kann das bedeuten, dass der Bereich nicht gereinigt werden konnte, dass die häusliche Pflege ihn nicht erreicht, oder es steckt ein anderer Grund dahinter; Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt muss sich das erneut ansehen.
- Wenn ein Zahn immer lockerer wird. Eine nach der Behandlung zunehmende Beweglichkeit muss beurteilt werden. Abzuwarten kann damit enden, dass ein Zahn verloren geht, der zu retten gewesen wäre.
- Bei Schwellung, Ausfluss oder Fieber. Das können Zeichen eines Abszesses sein, und es ist nicht zu erwarten, dass sie von selbst vergehen. Melden Sie sich noch am selben Tag bei Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt.
- Wenn Sie Blutverdünner nehmen oder Ihr Medikament gewechselt wurde. Der Verlauf der Blutung kann sich durch ein Medikament ändern. Sowohl Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt als auch die Ärztin oder der Arzt, die es verordnet haben, müssen davon wissen; setzen Sie das Medikament nicht aus eigener Entscheidung ab.
Worauf Sie bei einem Angebot für eine Parodontalbehandlung achten sollten
Zahlen finden Sie hier nicht. Dies sind die Punkte, auf die Sie beim Lesen eines Angebots achten sollten:
- Wie viele Sitzungen
- Wird der ganze Mund in einer Sitzung gereinigt oder Bereich für Bereich? Die Zahl der Sitzungen bestimmt sowohl die Dauer als auch die Gesamtsumme.
- Ist eine Operation vorgesehen
- Ein Teil der tiefen Taschen spricht auf eine geschlossene Reinigung womöglich nicht an. Wird die Möglichkeit einer Operation von Anfang an besprochen, liest sich auch das Angebot entsprechend.
- Ist die erneute Messung enthalten
- Was das Ergebnis der Behandlung zeigt, ist die erneut durchgeführte Messung. Steht sie nicht im Angebot, muss die Kontrolle gesondert besprochen werden.
- Das Intervall der Nachsorge
- Eine Parodontalbehandlung ist keine einmalige Sache. Wie oft die Nachsorgetermine stattfinden und was sie umfassen, sollte von Anfang an klar sein.
Häufige Fragen
Ich habe Zahnfleischbluten, bekomme ich eine Demenz?
Nein, dieser Schluss lässt sich nicht ziehen. Die Studie vergleicht Bevölkerungsgruppen: In der Gruppe mit den schlechtesten Zahnfleischwerten wurde innerhalb von zehn Jahren häufiger eine Demenz diagnostiziert. Bei den meisten Menschen mit Blutung entsteht keine Demenz. Die Blutung selbst ist ohnehin ein Grund für eine Untersuchung; den Weg dorthin über die Demenz zu nehmen, ist nicht nötig.
Sinkt mein Demenzrisiko, wenn ich mein Zahnfleisch behandeln lasse?
Eine Studie, die das zeigt, gibt es heute nicht. Die vorliegenden Daten sind beobachtend: Sie sagen, dass schlechtes Zahnfleisch und Demenz gemeinsam auftreten, nicht dass die Behandlung das Ergebnis verändert. Übersichtsarbeiten zur Wirkung von Maßnahmen der Mundgesundheit auf kognitive Ergebnisse finden die Evidenz begrenzt und uneinheitlich. Die Behandlung wird für Ihre Zähne gemacht; ein Schutzversprechen für die geistige Leistungsfähigkeit zu geben, wäre nicht richtig.
Steht der Zahnverlust auf derselben Liste?
Es gibt Beobachtungsstudien, die den Zahnverlust mit einer Demenz in Verbindung bringen, und die Richtung ist meist dieselbe. Dieselbe Unsicherheit gilt jedoch auch dort: Zahnverlust ist meist die Folge einer Zahnfleischerkrankung, des Rauchens und des Diabetes, also eine Messgröße, die sich schwer für sich allein herauslösen lässt. Gemessen wurde in dieser Studie nicht die Zahl der Zähne, sondern der Zustand des Zahnfleischs.
Taschentiefe, Attachmentverlust und Blutung: Was zeigt was?
Die Taschentiefe ist der in Millimetern gemessene Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch und zeigt, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist. Der Attachmentverlust gibt an, wie viel von dem Gewebe verloren ist, das den Zahn hält, und ist das Maß für den bleibenden Schaden. Die Blutung beim Sondieren zeigt, wie lebendig die Entzündung an diesem Tag ist, und ist die Messgröße, die am schnellsten auf die Behandlung anspricht. In der Studie standen alle drei jeweils für sich mit der Demenz in Zusammenhang.
Verändert ein Implantat dieses Risiko?
Dazu gibt es keine Daten. Ein Implantat wird gesetzt, um die Funktion verlorener Zähne wiederherzustellen; eine Behauptung zum Demenzrisiko kann damit nicht verbunden werden. Hinzuzufügen ist, dass sich auch das Gewebe rings um ein Implantat entzünden kann und ein eigenes Intervall der Nachsorge braucht.
Gelten diese Ergebnisse auch für eine Patientin oder einen Patienten in der Türkei?
Direkt übertragen lassen sie sich nicht. Die Kohorte ist eine Bevölkerung in Japan mit ihrer eigenen Altersstruktur, ihrer eigenen Ernährung und ihren eigenen zahnmedizinischen Gewohnheiten. Übersichtsarbeiten, die über Studien aus verschiedenen Ländern mitteln, kommen zu Ergebnissen in ähnlicher Richtung, doch dieselben Übersichtsarbeiten schreiben auch, dass die Sicherheit gering ist.
Quellen
- Journal of Clinical Periodontology (PubMed)Periodontal Status and the Risk of All-Cause Dementia, Alzheimer's Disease and Vascular Dementia in a Community: The Hisayama Study
- Special Care in Dentistry (PMC)Association Between Periodontitis and Mild Cognitive Impairment, Alzheimer's Disease, and Dementia: An Umbrella Review With Evidence Stratification
- The Lancet (PubMed)Dementia prevention, intervention, and care: 2024 report of the Lancet standing Commission
- World Health OrganizationDementia
- PubMedMapping the Evidence on Oral Health Interventions and Cognitive Status in Alzheimer's Disease: A Scoping Review
- Frontiers in Dental Medicine (PMC)Association between periodontal disease and Alzheimer's disease: umbrella review
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