Aussehen & Funktion

Mein Kiefer ermüdet beim Kauen: woran liegt das?

Ob die Ermüdung beim ersten Bissen oder erst nach einigen Minuten beginnt, trennt die Ursachen schon weitgehend

Wird der Kiefer nach einem Steak, einem harten Brot oder einer langen Mahlzeit schwer, steckt meist etwas Einfaches mit den Muskeln dahinter: nächtliches Zähnepressen, ein Problem am Kiefergelenk oder ein Kiefer, der in einem Mund mit fehlenden Zähnen oder einer schlecht sitzenden Prothese mehr arbeiten muss. Dieselbe Beschwerde kann aber auch das frühe Zeichen zweier anderer Erkrankungen sein. Ein Kieferschmerz, der nach dem 50. Lebensjahr neu auftritt und kurz nach Beginn des Kauens kommt, lässt an eine Gefäßentzündung denken, die das Auge bedroht; eine Kauschwäche zusammen mit einem hängenden Augenlid oder Doppelbildern an eine Muskelerkrankung. Unten lesen Sie, wie Sie diese Ursachen zu Hause unterscheiden können, an wen Sie sich mit welcher Frage wenden und bei welchem Zeichen Sie nicht warten sollten.

Kurze Antwort

Meist sind bei Kieferermüdung die Kaumuskeln überlastet: durch nächtliches Zähnepressen, eine Störung des Kiefergelenks oder Mehrarbeit bei fehlenden Zähnen oder schlecht sitzender Prothese. Ist der Schmerz morgens stärker, löst Druck auf den Muskel denselben Schmerz aus und knackt es dabei, stehen Muskeln und Gelenk im Vordergrund. Tritt nach dem 50. Lebensjahr neu ein Kieferschmerz auf, der kurz nach Kaubeginn kommt und in Ruhe vergeht, und kommen Schläfenschmerz oder eine empfindliche Kopfhaut hinzu, noch am selben Tag zur Ärztin oder zum Arzt; bei Sehverlust oder Doppelbildern Notruf 112. Eine Kauschwäche mit hängendem Lid und Schluckproblemen gehört in die Neurologie.

Häufigste Ursache
Überlastung der Muskeln bei Zähnepressen und Störungen des Kiefergelenks
Unterscheidungszeichen zu Hause
Beginnt der Schmerz beim ersten Bissen oder nach einigen Minuten Kauen
Ursache von den Zähnen
Geringere Kauleistung bei fehlenden Zähnen und schlecht sitzender Prothese
Notfallzeichen
Neuer Kieferschmerz nach dem 50. Lebensjahr zusammen mit Sehstörungen

Was hinter einem ermüdenden Kiefer stecken kann

Gekaut wird mit vier Muskelpaaren; die kräftigsten sind der Masseter, der an der Wange knapp über dem Unterkieferwinkel sitzt, und der Schläfenmuskel. Wenn Sie die Zähne zusammenbeißen, können Sie den Muskel an beiden Stellen hart werden spüren. Ein Ermüdungsgefühl beim Kauen kann zeigen, dass die Muskeln an diesem Tag oder in dieser Nacht über ihre Kraft hinaus gearbeitet haben, dass ihre Versorgung gestört ist oder dass das Signal vom Nerv zum Muskel schwächer geworden ist. Jeder dieser drei Wege gehört in ein anderes Fachgebiet, deshalb geht es zuerst darum, grob zu trennen, welcher in Frage kommt.

Der häufigste Weg ist nächtliches Zähnepressen und Zähneknirschen, also Bruxismus. Der NHS schreibt, dass Bruxismus im Wachzustand wie im Schlaf vorkommen kann und dass zu den Zeichen ein schmerzender Kiefer, abgenutzte oder abgebrochene Zähne, Kopfschmerzen, Ohrenschmerzen und gestörter Schlaf gehören; als häufigste Ursache nennt er Stress und Angst, als Begleiter Schlafprobleme wie Schnarchen und Schlafapnoe, bestimmte Schlaf-, Antidepressiva- und Angstmedikamente, Rauchen, viel Alkohol und Koffein. Ein Muskel, der die Nacht über stundenlang gearbeitet hat, wacht morgens müde auf und meldet sich beim Frühstück von den ersten Bissen an. Das Unterscheidende an diesem Muster ist, dass die Ermüdung morgens am deutlichsten ist und im Laufe des Tages nachlässt.

Die zweite große Gruppe sind Probleme des Kiefergelenks und der Kaumuskeln: die kraniomandibuläre Dysfunktion (CMD). Der NHS zählt als Zeichen Schmerzen um Kiefer, Ohr und Schläfe auf, ein Klicken, Knacken oder Reiben bei Kieferbewegungen, Kopfschmerzen im Schläfenbereich, einen Mund, der sich nicht ganz öffnen lässt, und einen Kiefer, der blockiert; er fügt hinzu, dass der Schmerz beim Kauen und in stressigen Phasen zunimmt. Zu den Ursachen gehören Zähnepressen, Verschleiß des Gelenks, ein Schlag auf Kopf oder Gesicht, Stress und ein unausgewogener Biss. Bei diesem Bild gibt es zusammen mit der Ermüdung oft eine Druckempfindlichkeit des Muskels und einen Schmerz, der sich mit der Kieferbewegung verändert.

Der dritte Weg betrifft den Mund selbst: Werden die Zähne zum Kauen weniger, arbeitet der Kiefer für denselben Bissen mehr. Eine Studie der Universität Nijmegen hat Menschen mit eigenen Zähnen, mit Vollprothesen und mit Prothesen auf Implantaten nach derselben Methode gemessen. Die Beißkraft mit einer Prothese auf Implantaten lag zwischen Vollprothese und eigenen Zähnen; bei Vollprothesentragenden mit abgebautem Unterkieferknochen war die Kauleistung am niedrigsten. Bei einer verkürzten Zahnreihe, bei der die hinteren Zähne fehlen, Front- und kleine Backenzähne aber stehen, lag die Beißkraft nahe an den eigenen Zähnen, die Kauleistung war aber begrenzt, weil die Kaufläche kleiner war. Ein Mund mit geringer Kauleistung braucht mehr Kaubewegungen, um denselben Bissen schluckfertig zu machen; dazu kommt die Anstrengung der Zungen- und Wangenmuskeln, eine wackelnde Prothese an ihrem Platz zu halten.

Die nützlichste Unterscheidung zu Hause ist der Zeitpunkt der Ermüdung. Bei Schmerzen von Muskeln und Gelenk sind die Beschwerden oft schon ab Beginn des Kauens spürbar, nehmen mit harten oder zähen Speisen zu, und Druck auf Muskel oder Gelenk löst denselben Schmerz aus; weil auch dieser Schmerz bei langem Kauen zunehmen kann, trennt der Zeitpunkt allein aber nicht sicher. Bei der Gefäßentzündung namens Riesenzellarteriitis dagegen schmerzen und ermüden die Kaumuskeln nach der Beschreibung der MSD Manuals kurz nach Beginn des Kauens; in der Medizin heißt das Claudicatio masticatoria (ein Schmerz unter Belastung, weil die Durchblutung des Muskels nicht ausreicht). Die betroffene Person isst einige Bissen beschwerdefrei, dann beginnen ein Krampf oder Schmerz im Kiefer, der vergeht, wenn sie mit dem Kauen aufhört, und der nach derselben Zeit wiederkommt, wenn sie weiterkaut. Dieses Muster und die Minute, in der es beginnt, zu notieren, ist die wertvollste Information für den Arztbesuch.

Die Riesenzellarteriitis, umgangssprachlich Schläfenarterienentzündung, ist eine Entzündung der Schlagadern an der Schläfe und derer, die Kopf und Hals versorgen. Die MSD Manuals schreiben, dass die Erkrankung typischerweise Menschen über 50, meist um die 70 Jahre, betrifft und neue, starke, manchmal pochende Kopfschmerzen, eine Kopfhaut, die selbst beim Kämmen schmerzt, Abgeschlagenheit und ungewollten Gewichtsverlust verursachen kann. Die größte Gefahr ist eine bleibende Erblindung, die plötzlich eintreten kann, wenn die Durchblutung des Sehnervs ausfällt. Die MSD Manuals weisen auch darauf hin, dass Sehstörungen bei Patientinnen und Patienten mit Kiefer- und Zungenschmerzen häufiger sind. In einer Metaanalyse, die 68 Studien mit 14.037 Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf Riesenzellarteriitis zusammenführte, gehörte die Claudicatio masticatoria zu den Zeichen, die die Diagnose am stärksten stützen (positive Likelihood-Ratio 4,90). Die Autorinnen und Autoren betonen dennoch, dass kein Befund allein ausreicht, um die Diagnose zu stellen oder auszuschließen.

Genau bei der Kieferermüdung berührt diese Erkrankung die Zahnmedizin. In Gesprächen mit 36 Patientinnen und Patienten im Vereinigten Königreich und in Australien, deren Diagnose durch Biopsie oder Bildgebung gesichert war, beschrieben 20 Beschwerden am Kiefer: Schmerzen, Krämpfe, Steifigkeit und das Gefühl, dass der Mund blockiert. Ein Teil war auf weiche Kost umgestiegen. Bei manchen wurden die Beschwerden zunächst auf Arthrose, das Alter oder einen Virusinfekt zurückgeführt, bei anderen von Fachleuten im Gesundheitswesen auf Karies, eine Ohrentzündung oder Zähneknirschen. In einer Serie mit sechs Patientinnen und Patienten aus Hannover war die Zahnärztin oder der Zahnarzt bei fünf am Weg zur Diagnose beteiligt und bei dreien die erste Anlaufstelle; bis zur Diagnose vergingen etwa 4 Wochen bis 5 Monate.

Der vierte und seltenere Weg ist die Myasthenia gravis, bei der das Signal vom Nerv zum Muskel schwächer wird. Der NHS schreibt, dass diese langwierige Erkrankung am häufigsten die Muskeln von Augen und Augenlidern, der Mimik, des Kauens, Schluckens und Sprechens betrifft und typischerweise bei Frauen unter 40 und Männern über 60 beginnt. Im Vordergrund steht hier nicht der Schmerz, sondern die Schwäche: ein Kiefer, der gegen Ende der Mahlzeit herabsinkt, das Bedürfnis, den Mund mit der Hand am Kinn geschlossen zu halten, eine verwaschene Sprache, Mühe beim Schlucken. Der NHS weist darauf hin, dass sich die Beschwerden bei Müdigkeit verschlechtern, bei den meisten gegen Ende des Tages zunehmen und sich morgens nach dem Schlaf bessern und oft zuerst mit einem hängenden Augenlid und Doppelbildern beginnen.

Diese vier Wege lassen sich auch am Unterschied zwischen Morgen und Abend grob trennen. Beim nächtlichen Zähnepressen ist die Ermüdung meist morgens am stärksten und lässt über den Tag nach (bei Menschen, die tagsüber pressen, kann sie auch abends zunehmen); bei der Myasthenie nimmt sie umgekehrt zum Abend hin zu und bessert sich morgens; bei fehlenden Zähnen oder schlecht sitzender Prothese hängt sie nicht von der Uhrzeit ab, sondern davon, wie hart und wie lang die Mahlzeit ist; bei der Gefäßentzündung kommt sie bei jeder Mahlzeit nach ähnlicher Zeit, nachdem das Kauen begonnen hat. Diese Unterscheidung ist keine Diagnose, sondern ein Ausgangspunkt dafür, an wen Sie sich mit welcher Frage wenden.

Welche Ermüdung zu Hause beobachtet werden kann und welche in ärztliche Hände gehört

Die erste Liste zeigt das typische Verhalten einer Ermüdung durch Muskeln und Gelenk; sie lässt mit einfachen Maßnahmen oft nach. Trifft auch nur ein einziger Punkt der zweiten Liste auf Sie zu, warten Sie nicht.

Wann es passt

  • Die Ermüdung ist morgens am stärksten und lässt über den Tag nachSchwere Kaumuskeln beim Aufwachen, rasche Ermüdung beim Frühstück und Lockerung im Laufe des Tages sind die typische Spur nächtlichen Zähnepressens. Sagt Ihnen jemand, der neben Ihnen schläft, dass Sie mit den Zähnen knirschen, oder haben Ihre Zähne abgeflachte Flächen, stützt das dieses Bild.
  • Der Schmerz besteht ab dem ersten Bissen und nimmt mit harter Kost zuSchmerzen von Muskeln und Gelenk sind meist ab Beginn des Kauens spürbar und nehmen mit Kaugummi, Nüssen oder hartem Brot zu. Löst Druck vor dem Ohr oder auf die Wange denselben Schmerz aus, spricht das für diese Richtung.
  • Ein Klicken im Kiefer und Druckempfindlichkeit vor dem Ohr kommen hinzuDer NHS zählt das Klicken zu den Zeichen einer Störung des Kiefergelenks und schreibt, dass sich die Störung oft ohne Behandlung bessert. Dieselbe Seite nennt das Klicken, einen Mund, der sich nicht ganz öffnen lässt, Schmerzen an der Schläfe oder der Kopfhaut und Sehprobleme aber auch als Gründe, zeitnah ärztlichen Rat einzuholen; ist das Klicken neu, zeigen Sie es innerhalb weniger Tage Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt. Weiche Kost, auf Kaugummi zu verzichten und die Zähne tagsüber auseinanderzuhalten, sind bis dahin der erste Schritt.
  • Die Ermüdung kommt nur bei langen oder harten MahlzeitenFehlen Zähne oder hat sich eine Prothese gelockert, arbeitet der Kiefer für denselben Bissen mehr. Das ist kein Notfall, aber die Ursache, also die fehlenden Zähne oder der Sitz der Prothese, sollte mit Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt besprochen werden.

Wann eher nicht

  • Zum Kieferschmerz kommen Sehverlust, Doppelbilder oder verschwommenes SehenDer NHS will, dass Menschen mit Riesenzellarteriitis und Sehproblemen noch am selben Tag in der Augenabteilung eines Krankenhauses von Fachleuten gesehen werden. Laut MSD kann der Sehverlust plötzlich und dauerhaft eintreten. Bei Sehverlust wählen Sie den Notruf 112 oder gehen in die Notaufnahme.
  • Sie sind über 50, und ein Schmerz, der kurz nach Kaubeginn kommt, ist neu aufgetretenKommen besonders neue Kopfschmerzen, Druckempfindlichkeit an Schläfe oder Kopfhaut, Abgeschlagenheit oder ungewollter Gewichtsverlust hinzu, lassen Sie sich noch am selben Tag ärztlich untersuchen. Der NHS verlangt bei diesem Bild eine dringende Abklärung, weil es ohne rasche Behandlung zu Schlaganfall und Erblindung führen kann.
  • Zur Kauschwäche kommen ein hängendes Augenlid, Doppelbilder oder SchluckbeschwerdenDiese Kombination lässt an eine Myasthenia gravis denken und verlangt eine neurologische Abklärung. Der NHS sagt, bei zunehmenden Schwierigkeiten beim Atmen oder Schlucken sofort einen Rettungswagen zu rufen; in der Türkei ist das der Notruf 112.
  • Sie können gar nicht essen und trinken oder den Mund nicht öffnenDer NHS nennt es bei einer Störung des Kiefergelenks als Grund für eine dringende ärztliche Abklärung, wenn man nicht essen und trinken kann und sich der Mund nicht ganz öffnen lässt.

Wie die Ursache eingegrenzt wird

Die Reihenfolge beginnt bewusst bei der Gefahr. Bevor an Zähne oder Muskeln gedacht wird, wird sichergestellt, dass kein Bild vorliegt, das Auge oder Atmung bedroht.

  1. 1

    Zuerst wird nach Sehen und Atmung gefragt

    Bestehen Sehverlust, Doppelbilder oder verschwommenes Sehen oder zunehmende Schwierigkeiten beim Atmen oder Schlucken, erfolgt die Beurteilung nicht auf dem Zahnarztstuhl, sondern in der Notaufnahme. Bei einem dieser Zeichen wählen Sie den Notruf 112.

  2. 2

    Alter und Begleitzeichen

    Bei einem neuen Kieferschmerz nach dem 50. Lebensjahr wird zusätzlich nach Schläfenschmerz, Druckempfindlichkeit der Kopfhaut, Abgeschlagenheit, Fieber, ungewolltem Gewichtsverlust und morgendlicher Steifigkeit in Schultern und Hüften gefragt. Laut MSD haben 40 bis 60 Prozent der Menschen mit Riesenzellarteriitis auch eine Polymyalgia rheumatica, die diese Steifigkeit in Schultern und Hüften verursacht. Bei diesem Bild erfolgt die Überweisung noch am selben Tag zur Ärztin oder zum Arzt und zur Blutuntersuchung.

  3. 3

    Zeitpunkt und Art der Ermüdung

    Gefragt wird, ob der Schmerz beim ersten Bissen oder nach einigen Minuten Kauen beginnt, ob er in Ruhe vergeht, ob er morgens oder abends deutlicher ist und ob es Schmerz oder Schwäche ist. Bei Schwäche wird auch nach Augenlid, Sprechen und Schlucken gefragt.

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    Untersuchung von Kaumuskeln und Kiefergelenk

    Masseter und Schläfenmuskel werden mit dem Finger abgetastet, die Mundöffnung wird gemessen, der Kiefer wird nach rechts, links und vorn bewegt, und auf Geräusche im Gelenk wird gehört. Tritt der vertraute Schmerz bei diesen Bewegungen auf, stützt das eine Ursache in Muskeln und Gelenk.

  5. 5

    Kontrolle von Zähnen, Biss und Prothese

    Gesucht wird nach abgenutzten Flächen als Spur des Zähnepressens, nach gebrochenen Füllungen und Rissen; beurteilt werden Zahl und Lage fehlender Zähne, wie die Zähne aufeinandertreffen und bei einer Prothese ihr Sitz, ihr Halt und der Zustand des Knochens darunter. Bei Bedarf wird ein Panoramaröntgenbild gemacht.

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    Überweisung je nach Ursache

    Kommt es von Muskeln und Gelenk, Entlastung und Aufbissschiene; kommt es von Zähnen oder Prothese, eine Neuordnung des Mundes; bei Verdacht auf Riesenzellarteriitis noch am selben Tag zur Ärztin oder zum Arzt und zur Blutuntersuchung; bei Verdacht auf Myasthenia gravis in die Neurologie.

Was je nach Ursache getan wird

Es gibt nicht die eine Behandlung für Kieferermüdung; was getan wird, hängt davon ab, woher die Ermüdung kommt.

01

Zähnepressen: Aufbissschiene und Umgang mit den Ursachen

Der NHS schreibt, dass die Zahnärztin oder der Zahnarzt eine Schiene empfehlen kann, die nachts getragen und passgenau für die oberen oder unteren Zähne angefertigt wird und die Zähne vor Schäden schützt. Dazu kommen Entspannungsmethoden, feste Schlafzeiten und weniger Rauchen, Alkohol und Koffein. Schnarchen Sie oder sind Sie tagsüber schläfrig, sagen Sie das ebenfalls Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

02

Kiefergelenk- und Muskelschmerz: Entlastung

Der NHS empfiehlt weiche Kost, kein Kauen auf Kaugummi oder Stiften, Bissen nicht mit den Frontzähnen abzubeißen, nicht zu weit zu gähnen, die Zähne außerhalb der Mahlzeiten auseinanderzuhalten und die schmerzenden Muskeln zu massieren. In ein Tuch gewickeltes Eis kann höchstens 5 Minuten, eine Wärmflasche zweimal täglich 15 bis 20 Minuten angewendet werden. Reicht das nicht, kommen Physiotherapie und eine fachärztliche Beurteilung hinzu.

03

Riesenzellarteriitis: Behandlung schon beim Verdacht

Der NHS schreibt, dass mit Steroiden behandelt wird und wegen der Gefahr des Sehverlusts schon vor der gesicherten Diagnose begonnen wird. Die MSD Manuals weisen darauf hin, dass das Ergebnis einer Biopsie, die spätestens 2 Wochen nach Behandlungsbeginn erfolgt, nicht beeinträchtigt wird. Bei diesem Bild wird die zahnärztliche Seite zurückgestellt.

04

Myasthenia gravis: neurologische Betreuung

Der NHS schreibt, dass zur Diagnose Blutuntersuchungen, Nervenleitungsmessungen und Bildgebung möglich sind und die Behandlung aus dem Meiden von Auslösern, Medikamenten gegen die Muskelschwäche und bei manchen Betroffenen der Entfernung der Thymusdrüse in der Brust besteht. Im Alltag hilft es, die Mahlzeiten auf Zeiten zu legen, in denen Sie nicht müde sind.

05

Ein einzelner problematischer Zahn oder Biss: Ihre eigene Zahnarztpraxis

Arbeiten die Muskeln wegen eines schmerzenden Zahns auf einer Seite, einer zu hohen Füllung oder einer gebrochenen Krone unausgewogen, ist die Lösung ein Eingriff an einem einzelnen Zahn. Das ist Sache Ihrer eigenen Zahnarztpraxis und ist oft in einer Sitzung behoben.

06

Viele fehlende Zähne oder eine Vollprothese, die nicht hält

Liegt die Ursache der Ermüdung darin, dass keine Zähne zum Kauen mehr da sind, oder in einer wackelnden Prothese, besteht die Lösung darin, Kaufläche und Halt zurückzugewinnen. Möglich sind eine Neuanpassung der Prothese, eine implantatgetragene Prothese oder festsitzende Zähne auf Implantaten. Geht es bei Ihnen darum, dass Sie mit der Prothese nicht essen können, vergleicht unsere Seite zum Essen mit der Prothese die Möglichkeiten Schritt für Schritt.

Häufige Fehler bei Kieferermüdung

Die folgenden Punkte sind Fehlentscheidungen, die bei dieser Beschwerde oft vorkommen. Wir führen sie auf, damit Sie in jeder Praxis, die Sie aufsuchen, die richtigen Fragen stellen können.

Eine nach dem 50. Lebensjahr neu aufgetretene Kieferermüdung dem Zähnepressen zuschreiben

In Gesprächen mit Menschen mit Riesenzellarteriitis zeigte sich, dass Beschwerden am Kiefer von Fachleuten im Gesundheitswesen auf Karies oder Zähneknirschen zurückgeführt worden waren. Während eine Aufbissschiene angefertigt und abgewartet wird, bleibt die Gefahr für das Sehen bestehen. Kommen zu einem neuen Kieferschmerz Schläfenschmerz oder Abgeschlagenheit, muss zuerst dieses Bild ausgeschlossen werden.

Schwäche für Ermüdung halten

Ein Kiefer, der ohne Schmerz herabsinkt, die Unfähigkeit, am Ende der Mahlzeit noch zu kauen, und eine Zunahme am Abend mit Besserung am Morgen lassen eher an eine Störung der Übertragung zwischen Nerv und Muskel als an Muskelermüdung denken. Kommen Veränderungen an Augenlid und Sprache hinzu, braucht es statt einer Zahnbehandlung eine neurologische Abklärung.

Einen nicht getesteten Zahn behandeln

Wird wegen Kieferermüdung oder Schmerzen beim Kauen eine Wurzelbehandlung oder Zahnentfernung vorgenommen, ohne dass ein Zahn gefunden wurde, der den Schmerz reproduziert, ist ein unumkehrbarer Eingriff vergeudet. In einem Fallbericht in der Quintessence International erhielt eine 72-jährige Frau in den 2 Jahren, in denen sie an Claudicatio masticatoria und zeitweisem Sehverlust litt, zahlreiche zahnärztliche Behandlungen einschließlich Wurzelbehandlung und Behandlung des Kiefergelenks, ohne Nutzen; die Diagnose lautete schließlich Riesenzellarteriitis.

Sich jahrelang mit einer wackelnden Prothese behelfen

Sitzt die Prothese nicht, sinkt die Kauleistung, und Zungen- und Wangenmuskeln arbeiten ständig, um sie an ihrem Platz zu halten. Sich mit Haftcreme oder weicher Kost zu behelfen, verdeckt die Ermüdung, löst aber weder den Knochenabbau darunter noch den schlechten Sitz der Prothese; eine Prothese muss im Laufe der Jahre neu angepasst werden.

Wie lange es bis zur Besserung dauert

Die Zeiten hängen von der Ursache ab. Der folgende Ablauf gilt für Kieferermüdung durch Muskeln und Gelenk; Vorrang hat der Plan der Ärztin oder des Arztes, die oder der Sie untersucht.

  1. Die ersten Tage

    Weiche Kost, auf Kaugummi verzichten, kleinere Bissen, sich daran erinnern, die Zähne tagsüber auseinanderzuhalten, und Wärme oder Kälte entspannen die Muskeln. Der NHS weist darauf hin, dass sich eine Störung des Kiefergelenks oft auch ohne Behandlung bessert.

  2. Nach der Anfertigung einer Aufbissschiene

    Die Schiene schützt die Zähne vor der nächtlichen Belastung; die morgendliche Kieferermüdung lässt meist allmählich nach. Bessern sich Stress und Schlaf nicht, verschwindet die Ermüdung womöglich nicht ganz.

  3. Wenn Zahn oder Prothese die Ursache ist

    Nach der Behandlung des problematischen Zahns oder der Anpassung der Prothese gleicht sich die Kaubelastung aus. Die Muskeln können noch eine Weile nach der alten Gewohnheit arbeiten; verschwindet die Ermüdung nicht, muss die Diagnose erneut überprüft werden.

  4. Wenn es trotz einfacher Maßnahmen anhält

    Der NHS schreibt, dass bei Gelenkproblemen an eine auf Gelenke spezialisierte Ärztin oder einen spezialisierten Arzt überwiesen werden kann, wenn einfache Maßnahmen nicht helfen. Hat sich das Muster der Ermüdung verändert oder sind neue Zeichen hinzugekommen, lassen Sie sich im Hinblick auf Ursachen außerhalb von Muskeln und Gelenk erneut untersuchen.

Warten Sie in diesen Fällen nicht

  • Ihr Sehen ist verschwommen, Sie sehen doppelt, oder Sie haben einen Sehverlust. Warten Sie nicht auf einen Termin. Bei Sehverlust wählen Sie den Notruf 112 oder gehen in die Notaufnahme.
  • Atmen oder Schlucken fällt zunehmend schwer. Der NHS sagt, in diesem Fall sofort einen Rettungswagen zu rufen; wählen Sie den Notruf 112.
  • Zu einem nach dem 50. Lebensjahr neu aufgetretenen Kieferschmerz kommen Schläfenschmerz, eine empfindliche Kopfhaut oder Abgeschlagenheit. Lassen Sie sich noch am selben Tag ärztlich untersuchen. Der NHS verlangt bei diesem Bild eine dringende Abklärung.
  • Ihr Augenlid hängt, oder Ihre Sprache verändert sich während des Essens. Wenden Sie sich an Ihre Hausarztpraxis oder die Neurologie und notieren Sie, zu welcher Tageszeit die Beschwerden zunehmen.

Was die Kosten bestimmt

Wir nennen hier keine einzelne Zahl, denn hinter einem Kiefer, der beim Kauen ermüdet, kann eine Muskelermüdung stehen, die keinerlei Zahnbehandlung braucht, aber auch eine Pressgewohnheit, die eine Aufbissschiene verlangt, oder ein Zahnverlust, der eine Neuordnung des Mundes erfordert. Auf zahnmedizinischer Seite bestimmen diese Posten den Umfang:

Die Quelle der Ermüdung
Ein Bild, das von Muskeln und Gelenk, von Zähnen oder Prothese, von den Gefäßen oder den Nerven ausgeht, führt über völlig verschiedene Wege und gehört in verschiedene Fachgebiete.
Die Art der Aufbissschiene
Eine nach Abdruck individuell angefertigte Schiene und eine Fertigschiene unterscheiden sich in Passform und Tragedauer.
Zahl der fehlenden Zähne und Zustand der Prothese
Einen einzelnen Zahn zu ergänzen, die vorhandene Prothese anzupassen oder einen ganzen Kiefer neu aufzubauen, sind sehr verschiedene Umfänge.
Bedarf an Bildgebung
Bei einem Bild, das von den Muskeln ausgeht, reicht oft die Untersuchung; zur Beurteilung von Zähnen und Knochen kann ein Röntgenbild oder ein DVT nötig sein.

Häufige Fragen

Warum ermüdet mein Kiefer beim Kauen?

Die häufigste Ursache ist eine Überlastung der Kaumuskeln: durch nächtliches Zähnepressen, eine Störung des Kiefergelenks oder weil der Kiefer bei fehlenden Zähnen und schlecht sitzender Prothese mehr arbeiten muss. Zwei seltenere, aber wichtige Ursachen sind nach dem 50. Lebensjahr die Riesenzellarteriitis und die Myasthenia gravis; sie lassen sich am Zeitpunkt der Ermüdung und an den Begleitzeichen unterscheiden.

Wann ist Kieferermüdung gefährlich?

Kommt zu einem nach dem 50. Lebensjahr neu aufgetretenen Kieferschmerz, der kurz nach Kaubeginn einsetzt, Schläfenschmerz, eine empfindliche Kopfhaut oder Abgeschlagenheit, lassen Sie sich noch am selben Tag ärztlich untersuchen. Bei Sehverlust, Doppelbildern oder zunehmenden Schwierigkeiten beim Atmen oder Schlucken wählen Sie den Notruf 112.

Was ist eine Claudicatio masticatoria?

Ein Schmerz der Kaumuskeln unter Belastung, weil ihre Durchblutung nicht ausreicht. Die MSD Manuals schreiben, dass bei der Riesenzellarteriitis die Kaumuskeln kurz nach Beginn des Kauens schmerzen und ermüden. In einer Metaanalyse mit 14.037 Patientinnen und Patienten gehörte dieses Zeichen zu den Befunden, die die Diagnose am stärksten stützen, reicht allein aber nicht für die Diagnose.

Kann Zähnepressen den Kiefer ermüden?

Ja. Der NHS zählt einen schmerzenden Kiefer, Kopfschmerzen und abgenutzte Zähne zu den Zeichen des Zähnepressens. Muskeln, die die Nacht über gearbeitet haben, wachen morgens müde auf; deshalb ist die Ermüdung meist beim Frühstück am deutlichsten und lässt über den Tag nach.

Ermüden fehlende Zähne den Kiefer beim Kauen?

Wird die Kaufläche kleiner, braucht es mehr Kaubewegungen, um denselben Bissen zu zerkleinern. In einer Studie aus Nijmegen blieb die Beißkraft bei Menschen, denen die hinteren Zähne fehlen, nahe an den eigenen Zähnen, die Kauleistung war aber begrenzt; bei Vollprothesentragenden, besonders bei abgebautem Unterkieferknochen, war sie am niedrigsten.

Mit der Prothese ermüdet mein Kiefer schnell, ist das normal?

Bei einer neuen Prothese kann es dauern, bis sich die Muskeln gewöhnt haben. Wackelt die Prothese aber, verursacht sie Druckstellen oder hat sie sich im Laufe der Jahre gelockert, arbeiten Zungen- und Wangenmuskeln ständig, um sie an ihrem Platz zu halten. Dann sollte Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt den Sitz der Prothese kontrollieren.

Wie wirkt sich eine Myasthenia gravis auf das Kauen aus?

Der NHS schreibt, dass diese Erkrankung die Muskeln des Kauens, Schluckens und Sprechens betreffen kann und dass sich die Beschwerden bei Müdigkeit verschlechtern, bei den meisten gegen Ende des Tages zunehmen und sich morgens bessern. Im Vordergrund steht nicht der Schmerz, sondern die Schwäche; oft kommt sie zusammen mit einem hängenden Augenlid und Doppelbildern.

An wen wende ich mich bei Kieferermüdung beim Kauen?

Ist die Ermüdung morgens deutlich, knackt es oder nimmt sie mit harter Kost zu, an die Zahnärztin oder den Zahnarzt. Bei einem neuen Kieferschmerz nach dem 50. Lebensjahr mit Schläfenschmerz oder Abgeschlagenheit noch am selben Tag an die Hausarztpraxis oder die Notaufnahme. Bei Schwäche mit hängendem Augenlid, Doppelbildern oder Schluckbeschwerden an die Neurologie.

Quellen

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