Schwellung und Infektion

Sich ausbreitende Infektion im Gesicht (Phlegmone) und Ludwig-Angina: Warum ins Krankenhaus?

Ein klar begrenzter Abszess wird in der Zahnarztpraxis entleert; eine sich ausbreitende, verhärtende Phlegmone bedroht dagegen Atemwege und Kreislauf

Eine Infektion, die vom Zahn ausgeht, hat zwei verschiedene Gesichter. Beim einen sammelt sich der Eiter in einer Kapsel; die Schwellung ist begrenzt, und sobald die Zahnärztin oder der Zahnarzt die Kapsel entleert, bildet sich das Bild rasch zurück. Beim anderen breitet sich die Infektion ohne Kapsel zwischen den Geweben aus: Die Haut ist warm, gespannt und verhärtet, die Schwellung hat keine klare Grenze und kann sich binnen Stunden vergrößern. Das nennt man Phlegmone. Setzt sich die Phlegmone beidseits im Mundboden und unter dem Kiefer fest, heißt sie Ludwig-Angina und kann die Atemwege verschließen. Wann Sie mit einer Gesichtsschwellung in die Notaufnahme müssen, haben wir auf einer eigenen Seite beschrieben; hier erfahren Sie, was eine Phlegmone ist, woran Sie eine Ludwig-Angina erkennen, was im Krankenhaus warum gemacht wird und welche Angaben Sie in der Notaufnahme machen sollten.

Kurze Antwort

Eine Gesichtsphlegmone (nicht zu verwechseln mit Cellulite) ist eine Zahninfektion, die sich ohne Eiterkapsel ins Weichgewebe von Gesicht und Hals ausbreitet: Die Haut ist rot, warm, gespannt und verhärtet, die Schwellung unscharf begrenzt. Eine beidseitige, brettharte Schwellung unter dem Kiefer, eine angehobene Zunge, Speichelfluss und Schluckbeschwerden sprechen für eine Ludwig-Angina; laut MSD kann sie binnen Stunden die Atemwege verschließen. Fällt Ihnen Atmen, Sprechen, Schlucken oder Mundöffnen schwer, ist der Mund innen sehr geschwollen oder zieht die Schwellung zu Hals oder Auge, rufen Sie sofort 112 an oder gehen Sie in die Notaufnahme. Mit Antibiotika daheim abwarten reicht nicht.

Was eine Phlegmone ist
Eine Infektion, die sich ohne Kapsel im Gewebe ausbreitet
Die schwerste Form
Ludwig-Angina: beidseitige Phlegmone in Mundboden und unter dem Kiefer
Häufigste Quelle
Untere zweite und dritte Backenzähne
Warnzeichen
Atem-, Sprech- oder Schluckbeschwerden, Ausbreitung zu Hals oder Auge

Warum sich eine Phlegmone vom Abszess unterscheidet und gefährlicher ist

Eine Infektion vom Zahn beginnt an der Wurzelspitze oder im Zahnfleisch, und der Eiter sammelt sich zunächst im Knochen. Durchbricht er den Knochen und gelangt ins Weichgewebe, nimmt er einen von zwei Wegen. Entweder sammelt er sich in einer Kapsel und bildet einen Abszess mit klaren Grenzen, dessen Mitte manchmal unter dem Fingerdruck schwappt; oder er breitet sich ohne Kapsel in die Räume zwischen Muskel- und Fettgewebe aus. Das Zweite nennt man Phlegmone. Bei einer Phlegmone gibt es im Gewebe noch keine Eitertasche, die man entleeren könnte; der ganze Bereich ist von entzündlicher Flüssigkeit geschwollen, verhärtet und warm. Der NHS beschreibt die Phlegmone allgemein als Infektion, bei der die Haut schmerzhaft, warm und geschwollen ist und man sich wie bei einer Grippe krank fühlen kann, und schreibt, dass sich die Infektion ohne rasche Behandlung auf Blut, Muskeln und Knochen ausbreiten kann.

Die Unterscheidung ist wichtig, weil sie die Behandlung verändert. Bei einem begrenzten Abszess entleert die Zahnärztin oder der Zahnarzt die Kapsel und beseitigt die Quelle; meist ist kein Krankenhaus nötig. Bei einer Phlegmone gibt es dagegen keine einzelne Kapsel, die man entleeren könnte, und die Infektion kann je nach Richtung in die miteinander verbundenen Räume von Gesicht und Hals übergehen. Diese Räume, die zur Augenregion, zum Rachen, zum Mundboden und von dort in den Hals reichen, erlauben es der Infektion, sich den Atemwegen und dem Schädelinneren zu nähern. Deshalb wird eine sich ausbreitende Phlegmone im Krankenhaus behandelt: mit Antibiotika über die Vene, Bildgebung, bei Bedarf chirurgischer Entlastung und engmaschiger Überwachung der Atemwege.

Die Ludwig-Angina ist die Form dieses Bildes im Mundboden. MSD Manuals beschreibt sie als rasch fortschreitende, beidseitige, verhärtete Phlegmone der Weichgewebe unter dem Kiefer, im Mundboden und in beiden Räumen unter der Zunge und unter dem Kiefer; MSD fügt hinzu, dass sich dabei kein Abszess bildet, sie aber einem Abszess ähnelt und ähnlich behandelt wird. Die Quelle ist meist eine Zahninfektion, vor allem der unteren zweiten und dritten Backenzähne. Auch schlechte Mundhygiene, Zahnentfernungen und Unterkieferbrüche oder Verletzungen des Mundbodens gehören zu den begünstigenden Faktoren.

Das Bild, das MSD beschreibt, verläuft so: zuerst Schmerzen an den betroffenen Zähnen und eine sehr druckempfindliche, begrenzte Verhärtung unter dem Kinn und unter der Zunge. Danach können sich rasch eine brettharte Verhärtung des Mundbodens und eine dicke, feste Schwellung über dem Zungenbein entwickeln. Es können Speichelfluss, eine eingeschränkte Mundöffnung, Schluckbeschwerden, ein pfeifendes Atemgeräusch durch die Schwellung am Kehlkopf (Stridor) und ein Anheben des hinteren Zungenteils zum Gaumen auftreten. Fieber, Schüttelfrost und ein schneller Puls kommen meist dazu. MSD betont, dass dieses Bild die Atemwege binnen Stunden verlegen kann und das häufiger tut als andere Halsinfektionen.

Eine evidenzbasierte Übersicht für Notfallmedizinerinnen und Notfallmediziner stellt ein Zeichen auf den Kopf, auf das viele warten: Bei der Ludwig-Angina ist die eingeschränkte Mundöffnung ein spätes Zeichen. Dass Sie den Mund noch öffnen können, zeigt also nicht, dass das Bild leicht ist; bestehen eine Verhärtung des Mundbodens und eine beidseitige Schwellung unter dem Kiefer, braucht es auch dann eine Notfallbeurteilung, wenn die Mundöffnung noch nicht eingeschränkt ist. Dieselbe Übersicht schreibt, dass die Erkrankung bei Menschen mit vernachlässigten Zähnen und bei Menschen mit unterdrückter Abwehr häufiger vorkommt.

Eine Infektion, die von den oberen Zähnen ausgeht, kann dagegen bis in die Augenregion reichen. MSD schreibt, dass eine Infektion der Gewebe, die die Augenhöhle umgeben (Orbitaphlegmone), von den Zähnen ausgehen kann und neben Schwellung und Rötung des Augenlids ein Hervortreten des Auges, eingeschränkte und schmerzhafte Augenbewegungen und ein nachlassendes Sehen verursachen kann. Zu den Komplikationen dieses Bildes zählt MSD einen Sehverlust durch steigenden Druck in der Augenhöhle sowie eine Sinus-cavernosus-Thrombose, eine Hirnhautentzündung und einen Hirnabszess, die entstehen können, wenn die Infektion ins Schädelinnere vordringt. Eine Gesichtsschwellung, bei der sich das Augenlid zu schließen beginnt, ist deshalb kein Fall für die Zahnarztpraxis, sondern für die Notaufnahme.

Messungen an Zahninfektionen, die im Krankenhaus behandelt wurden, zeigen, bei wem das Risiko wächst. Bei 997 Patientinnen und Patienten, die am Universitätsklinikum Jena in Deutschland über 12 Jahre chirurgisch behandelt wurden, traten bei 3,8 Prozent systemische Komplikationen auf, die den Kreislauf oder andere Organe betrafen; höheres Alter, eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), eine chronische Alkoholabhängigkeit und die Ausbreitung der Infektion auf mehr als einen Raum erhöhten dieses Risiko unabhängig voneinander. Die Beteiligung mehrerer Räume sagte auch einen Krankenhausaufenthalt von 10 Tagen und mehr voraus. In derselben Studie zeigte sich, dass die stationären Aufnahmen wegen Zahninfektionen über die Jahre zugenommen haben.

Auf der Seite der Atemwege zeigt sich ein ähnliches Bild. Von 349 Patientinnen und Patienten mit einer Zahninfektion, die in den USA im OP entlastet werden mussten, brauchten 10,3 Prozent vor oder nach der Operation einen Beatmungsschlauch (Intubation), bei 3 wurde ein Atemweg über den Hals angelegt. Die beiden Faktoren, die mit einer längeren Intubation zusammenhingen, waren eine im CT sichtbare Ausbreitung in den Raum um den Rachen und eine unterdrückte Abwehr. MSD gibt die Gesamtsterblichkeit der Ludwig-Angina mit etwa 3 von tausend an; die Zahl beruht auf Vorstellungen in US-Notaufnahmen; dieselbe Quelle sieht in der Sicherung der Atemwege die vordringlichste Aufgabe der Behandlung.

Begrenzter Abszess oder sich ausbreitende Phlegmone

Die Merkmale in der ersten Liste passen zu einer begrenzten Infektion, die noch am selben Tag in der Zahnarztpraxis behandelt werden kann. Trifft auch nur ein einziger Punkt der zweiten Liste zu, warten Sie nicht auf einen Zahnarzttermin, sondern gehen Sie in die Notaufnahme.

Wann es passt

  • Wenn die Schwellung auf die Umgebung eines Zahns, das Zahnfleisch oder einen kleinen Teil der Wange begrenzt istEine klar begrenzte Schwellung nahe am Zahn ist meist ein begrenzter Abszess. Der NHS verlangt bei einem Zahnabszess einen dringenden Zahnarzttermin; die Zahnärztin oder der Zahnarzt leitet den Eiter ab und kümmert sich um die Quelle.
  • Wenn die Mitte weich ist und unter dem Fingerdruck schwapptDas spricht für eine abgekapselte Eiteransammlung. Weil es eine Kapsel gibt, die sich entleeren lässt, ist die Behandlung einfacher; gehen Sie trotzdem noch am selben Tag in die Zahnarztpraxis.
  • Wenn Sie kein Fieber haben und sich allgemein gut fühlenFehlen allgemeine Beschwerden, spricht das dafür, dass die Infektion begrenzt geblieben ist. Das ist kein Grund zu warten, aber ein Bild, bei dem der Weg in die Zahnarztpraxis am selben Tag genügt.
  • Wenn Atmen, Sprechen, Schlucken und Mundöffnung normal sindEs gibt kein Zeichen, das die Atemwege bedroht. Die Notfallkriterien des NHS beruhen auf diesen vier Funktionen; ist eine davon gestört, wechselt das Bild in die zweite Liste.

Wann eher nicht

  • Wenn Ihnen Atmen, Sprechen oder Schlucken schwerfälltDer NHS sagt, man solle bei einem Zahnabszess in diesem Fall, ebenso wenn Ihnen das Öffnen des Mundes schwerfällt oder Ihr Mund innen stark geschwollen ist, die 999 wählen oder in die Notaufnahme gehen; in der Türkei die 112. Können Sie Ihren Speichel nicht schlucken und läuft er aus dem Mund, oder pfeift es beim Atmen, warten Sie nicht.
  • Wenn unter dem Kiefer eine beidseitige, brettharte Schwellung besteht oder Ihre Zunge nach oben gedrückt wirdMSD beschreibt diese Befunde als typisches Bild der Ludwig-Angina und schreibt, dass sie die Atemwege binnen Stunden verschließen kann. Dass Sie den Mund noch öffnen können, ist keine Sicherheit; die eingeschränkte Mundöffnung ist ein spätes Zeichen.
  • Wenn Ihr Augenlid zuschwillt, Ihr Auge schmerzt oder Ihr Sehen schlechter wirdDer NHS zählt beim Zahnabszess ein geschwollenes Auge, Augenschmerzen und plötzliche Sehstörungen zu den Kriterien für die Notaufnahme. MSD schreibt, dass eine vom Zahn ausgehende Infektion der Augenhöhle zu Sehverlust und zur Ausbreitung ins Schädelinnere führen kann.
  • Wenn Schüttelfrost, Verwirrtheit, sehr schnelle Atmung oder blasse, fleckige Haut bestehenDer NHS nennt diese Zeichen einer Blutvergiftung (Sepsis) unter den Kriterien für die 999 und die Notaufnahme. Eine Sepsis kann sich binnen Stunden entwickeln.

Was in der Notaufnahme geschieht und warum

Bei Phlegmone und Ludwig-Angina beginnt die Reihenfolge bewusst bei den Atemwegen. Die Quelle der Infektion wird erst angegangen, wenn die Atemwege gesichert sind.

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    Zuerst die Atemwege

    MSD schreibt, dass bei der Ludwig-Angina das Offenhalten der Atemwege die vordringlichste Aufgabe ist. Weil die Schwellung das Einführen eines Schlauchs durch den Mund erschwert, wird er bei manchen Patientinnen und Patienten im Wachzustand mit einer flexiblen Kamera durch die Nase gelegt, bei anderen muss ein Atemweg über den Hals angelegt werden. Wer nicht sofort einen Schlauch braucht, wird engmaschig überwacht.

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    Die Landkarte der Ausbreitung: die Computertomografie

    Die evidenzbasierte Übersicht schreibt, dass eine Computertomografie der Halsweichteile mit Kontrastmittel bevorzugt wird, wenn die Patientin oder der Patient sicher auf dem Rücken liegen kann, und dass bei allen anderen ein Ultraschall am Bett helfen kann. Die Computertomografie zeigt, welche Räume die Infektion erreicht hat und ob es eine Kapsel gibt, die entleert werden kann.

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    Breit wirksames Antibiotikum über die Vene

    MSD weist darauf hin, dass Antibiotika gewählt werden, die sowohl gegen Bakterien der Mundflora wirken, die mit Sauerstoff leben, als auch gegen solche, die ohne Sauerstoff leben. Bei einer Phlegmone ersetzt es diese Behandlung nicht, zu Hause mit einem Antibiotikum in Tablettenform abzuwarten.

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    Chirurgische Entlastung und Beseitigung der Quelle

    MSD schreibt, dass bei der Ludwig-Angina der Druck mit Schnitt und Entlastung sowie mit Drainagen gesenkt wird, die tief in die Muskulatur des Mundbodens gelegt werden. Der Zahn, von dem die Infektion ausgeht, wird entweder entfernt oder behandelt; solange die Quelle bleibt, kommt die Infektion wieder.

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    Engmaschige Überwachung

    Die Übersicht empfiehlt, diese Patientinnen und Patienten zur engmaschigen Überwachung der Atemwege auf die Intensivstation aufzunehmen. In der US-Serie mit 349 Patientinnen und Patienten blieben diejenigen, die länger einen Beatmungsschlauch brauchten, im Mittel 7,6 Tage im Krankenhaus, die übrigen im Mittel 3,6 Tage.

Die Bausteine der Behandlung

Für eine Phlegmone gibt es nicht die eine Behandlung; im Krankenhaus laufen mehrere Schritte, die sich ergänzen, gleichzeitig.

01

Sicherung der Atemwege

Laut MSD hat sie bei der Ludwig-Angina Vorrang. Der Beatmungsschlauch, bei Bedarf ein Atemweg über den Hals oder bei Patientinnen und Patienten, die nicht sofort einen Schlauch brauchen, die engmaschige Überwachung gehören zu diesem Schritt.

02

Antibiotikum über die Vene

Breit wirksame Antibiotika, die auf die gemischte Zusammensetzung der Mundbakterien abgestimmt sind, werden über die Vene gegeben. Den Wechsel auf Tabletten und die Dauer legt die Ärztin oder der Arzt je nach Verlauf fest.

03

Chirurgische Entlastung

Hat sich eine Kapsel gebildet oder bedroht der Druck die Atemwege, wird über einen Schnitt entlastet, und es werden Drainagen gelegt. Auch im Stadium der Phlegmone kann das Eröffnen der tiefen Räume den Druck senken.

04

Behandlung des Ursprungszahns

Der Zahn, von dem die Infektion ausging, wird entfernt oder mit einer Wurzelbehandlung gereinigt. Wird dieser Schritt übersprungen, kehrt die Infektion an derselben Stelle zurück. Schließen Sie diese Behandlung nach der Entlassung in Ihrer eigenen Zahnarztpraxis ab.

05

Die Behandlung zugrunde liegender Erkrankungen

In den oben genannten Studien hingen höheres Alter, COPD, chronische Alkoholabhängigkeit und eine unterdrückte Abwehr mit einem schweren Verlauf zusammen. Diese Erkrankungen werden im Krankenhaus in den Behandlungsplan einbezogen; gehen Sie sie nach der Entlassung mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt durch.

Fehler bei einer Phlegmone, die lebensbedrohlich werden können

Das Folgende sind Entscheidungen, die bei einer sich ausbreitenden Infektion im Gesicht häufig getroffen werden und das Bild außerhalb des Krankenhauses größer werden lassen.

Das Antibiotikum aus dem Schrank nehmen und warten, bis die Schwellung abklingt

52,5 Prozent von 102 Patientinnen und Patienten, die in Australien wegen einer Zahninfektion stationär aufgenommen wurden, hatten vor der Aufnahme bereits ein Antibiotikum genommen. Dass Sie ein Antibiotikum nehmen, heißt nicht, dass eine sich ausbreitende Infektion zum Stillstand gekommen ist. Der NHS schreibt, dass ein Zahnabszess nicht von selbst vergeht.

Sich beruhigen, weil man den Mund noch öffnen kann

Die Übersicht zur Ludwig-Angina schreibt, dass die eingeschränkte Mundöffnung ein spätes Zeichen ist. Eine beidseitige Verhärtung unter dem Kiefer, eine Schwellung unter der Zunge, Speichelfluss und Schluckbeschwerden sind frühere Warnungen als die Mundöffnung.

Das Wochenende oder den Feiertag abwarten

In der australischen Serie kamen 68 Prozent der Patientinnen und Patienten am Wochenende, außerhalb der Sprechzeiten oder an einem gesetzlichen Feiertag. Ist Ihre Zahnarztpraxis geschlossen, hindert Sie das nicht daran, in die Notaufnahme zu gehen; Phlegmone und Ludwig-Angina werden ohnehin im Krankenhaus behandelt.

Selbst mit dem Auto in die Notaufnahme fahren

Der NHS rät, nicht selbst mit dem Auto in die Notaufnahme zu fahren, sondern sich fahren zu lassen oder einen Rettungswagen zu rufen und die Medikamente mitzunehmen, die Sie einnehmen. Die Atemnot kann unterwegs zunehmen.

Wie die Genesung nach dem Krankenhaus verläuft

Die Zeiten hängen von der Ausbreitung der Infektion und den durchgeführten Eingriffen ab. Der folgende Ablauf ist ein allgemeiner Rahmen; der Plan des Teams, das Sie behandelt, hat Vorrang.

  1. Der erste Tag im Krankenhaus

    Die Atemwege werden gesichert, das Antibiotikum über die Vene wird begonnen, bei Bedarf wird entlastet. Dass die Schwellung in dieser Phase nicht sofort zurückgeht, ist zu erwarten; das Team überwacht Atemwege und Allgemeinzustand engmaschig.

  2. Der Krankenhausaufenthalt

    In der australischen Serie blieben Patientinnen und Patienten, die wegen einer Zahninfektion aufgenommen wurden, im Mittel 2,7 Tage, in der US-Serie diejenigen, die nicht länger einen Beatmungsschlauch brauchten, im Mittel 3,6 Tage. Bei einer Infektion, die sich auf mehrere Räume ausgebreitet hat, dauert der Aufenthalt länger.

  3. Die Tage nach der Entlassung

    Die verordnete Antibiotikabehandlung wird zu Ende geführt, auch wenn Sie sich gut fühlen. Halten Sie sich an die Anweisungen zur Pflege von Drainagen oder Schnitt und nehmen Sie den Kontrolltermin wahr.

  4. Die endgültige Behandlung des Ursprungszahns

    Wurde er im Krankenhaus nicht entfernt, werden die Wurzelbehandlung oder die Entfernung des Ursprungszahns in Ihrer eigenen Zahnarztpraxis abgeschlossen. Ein unbehandelter Zahn ist eine offene Tür dafür, dass dieselbe Infektion wieder beginnt.

Warten Sie in diesen Fällen nicht

  • Atemnot, ein pfeifendes Atemgeräusch, Sprech- oder Schluckbeschwerden haben begonnen. Sofort die 112. Warten Sie auch nach der Entlassung nicht, wenn diese Zeichen auftreten.
  • Die Schwellung wächst wieder oder zieht zum Hals oder zum Auge. Gehen Sie noch am selben Tag in die Notaufnahme; das kann zeigen, dass die Infektion wieder aufflammt oder in einen neuen Raum übergegangen ist.
  • Es bestehen Schüttelfrost, Verwirrtheit, sehr schnelle Atmung oder blasse, fleckige Haut. Der NHS nennt diese Zeichen einer Sepsis unter den Gründen für die 999 und die Notaufnahme; in der Türkei die 112.
  • Trotz Antibiotikum tritt binnen 2 bis 3 Tagen keine Besserung ein. Der NHS schreibt, dass sich die Beschwerden bei einer Phlegmone der Haut in den ersten 48 Stunden der Behandlung verschlechtern können, man sich aber ärztlich melden sollte, wenn binnen 2 bis 3 Tagen keine Besserung beginnt. Melden Sie auch bei einer Phlegmone, die vom Zahn ausgeht, ein Bild, das sich nicht bessert, dem Team, das Sie behandelt.

Was den Umfang bestimmt

Wir nennen hier keine einzelne Zahl; zwischen einem begrenzten Abszess, der in der Zahnarztpraxis entleert wird, und einer Ludwig-Angina, die auf der Intensivstation überwacht wird, liegt ein sehr großer Unterschied im Umfang. Diese Posten bestimmen ihn:

Die Ausbreitung der Infektion
Eine Infektion, die in einem Raum bleibt, und eine, die sich auf mehrere Räume ausbreitet, bedeuten unterschiedliche Eingriffe und unterschiedlich lange Krankenhausaufenthalte.
Maßnahmen an den Atemwegen
Engmaschige Überwachung, Beatmungsschlauch oder ein Atemweg über den Hals und die Intensivstation verändern den Umfang deutlich.
Chirurgische Entlastung
Die Entlastung im OP, die Pflege der Drainagen und eine erneute Entlastung sind eigene Posten.
Die Behandlung des Ursprungszahns
Die Entfernung oder die Wurzelbehandlung ist ein eigener Schritt, im Krankenhaus oder nach der Entlassung in Ihrer eigenen Zahnarztpraxis.

Häufige Fragen

Was ist eine Gesichtsphlegmone?

Eine Infektion vom Zahn, die sich ohne Eiterkapsel in die Weichgewebe von Gesicht und Hals ausbreitet. Die Haut ist gerötet, warm, gespannt und verhärtet, die Schwellung hat keine klare Grenze und kann sich vergrößern. Der Unterschied zum begrenzten Abszess: Es gibt keine einzelne Kapsel, die man entleeren könnte, und sie kann sich schneller ausbreiten.

Was ist eine Ludwig-Angina?

Eine beidseitige, rasch fortschreitende, brettharte Phlegmone im Mundboden und unter dem Kiefer. Laut MSD entsteht sie meist aus einer Infektion der unteren zweiten und dritten Backenzähne, kann Speichelfluss, Schluckbeschwerden und ein Anheben der Zunge verursachen und die Atemwege binnen Stunden verschließen.

Wie unterscheidet man eine Phlegmone von einem Abszess?

Ein Abszess ist eine Schwellung mit klaren Grenzen, deren Mitte oft weich ist und unter Druck schwappt. Eine Phlegmone ist dagegen flächig, hart, warm und unscharf begrenzt. Zu Hause lässt sich das nicht sicher unterscheiden; die Ärztin oder der Arzt untersucht und sieht bei Bedarf mit Ultraschall oder Computertomografie nach. Bei einer Schwellung, die sich ausbreitet, verhärtet oder mit allgemeinen Beschwerden einhergeht, überlassen Sie die Unterscheidung der Notaufnahme.

Heilt eine Phlegmone vom Zahn zu Hause mit Antibiotika ab?

Mit einer sich ausbreitenden Phlegmone wird zu Hause nicht abgewartet. Mehr als die Hälfte der Patientinnen und Patienten, die wegen einer Zahninfektion stationär aufgenommen wurden, hatte vor der Aufnahme bereits ein Antibiotikum genommen. Die Behandlung erfolgt im Krankenhaus mit Antibiotika über die Vene, bei Bedarf chirurgischer Entlastung, der Behandlung des Ursprungszahns und der Überwachung der Atemwege.

Ist eine Ludwig-Angina tödlich?

Sie kann es sein, mit Behandlung sind Todesfälle aber selten. MSD gibt die Gesamtsterblichkeit mit etwa 3 von tausend an. MSD schreibt, dass bei der Behandlung das Offenhalten der Atemwege die vordringlichste Aufgabe ist; gehen Sie deshalb im Zweifel ohne Warten in die Notaufnahme.

Kann sich eine Zahninfektion aufs Auge ausbreiten?

Ja. MSD schreibt, dass eine Infektion der Gewebe um die Augenhöhle von den Zähnen ausgehen, ein Hervortreten des Auges, Schmerzen und Einschränkungen bei den Augenbewegungen und ein nachlassendes Sehen verursachen und zu Sehverlust oder einer Ausbreitung ins Schädelinnere führen kann. Bei einer Schwellung, bei der sich das Augenlid schließt, gehen Sie in die Notaufnahme.

Bei wem verläuft eine Gesichtsphlegmone schwerer?

In der deutschen Serie mit 997 Patientinnen und Patienten erhöhten höheres Alter, COPD, chronische Alkoholabhängigkeit und die Ausbreitung der Infektion auf mehr als einen Raum das Risiko systemischer Komplikationen. In der US-Serie mit 349 Patientinnen und Patienten hingen eine unterdrückte Abwehr und die Ausbreitung um den Rachen mit einem längeren Bedarf an einem Beatmungsschlauch zusammen. Die Übersicht zur Ludwig-Angina schreibt, dass sie bei Menschen mit vernachlässigten Zähnen und mit unterdrückter Abwehr häufiger vorkommt.

Was sollte ich in der Notaufnahme sagen?

Sagen Sie, wann die Schwellung begonnen hat und wie schnell sie gewachsen ist, welcher Zahn schmerzt oder vor Kurzem behandelt oder entfernt wurde, welches Antibiotikum Sie seit wie vielen Tagen nehmen, ob Sie Diabetes oder COPD haben, Medikamente nehmen, die die Abwehr unterdrücken, oder Blutverdünner, und welche Allergien Sie haben. Fotos der Schwellung, die Sie im Lauf des Tages gemacht haben, helfen zu zeigen, wie schnell sie sich ausbreitet.

Quellen

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