Schmerz & Empfindlichkeit

Zucken im Gesicht: wann ist es harmlos, wann ein Spasmus hemifacialis?

Kurzes Lidzucken kommt meist mit Schlafmangel, Stress und Koffein und vergeht wieder; ein Zucken, das sich auf eine Gesichtshälfte ausbreitet, ist dagegen eine eigene Erkrankung

Ein Augenlid, das von selbst zuckt, ist ein Gefühl, das fast jeder kennt. Meist ist es ein Zeichen einer anstrengenden Woche, von zu viel Kaffee oder Stress und verschwindet innerhalb weniger Tage. Seltener breitet sich das Zucken von der Umgebung des Auges auf Wange und Mundwinkel aus, hält sogar im Schlaf an und nimmt über Monate zu; das heißt Spasmus hemifacialis, also ein Krampf einer Gesichtshälfte. Unten erfahren Sie, wie Sie die beiden Bilder unterscheiden können, wann ein Zucken ein Notfall ist, warum ein Spasmus hemifacialis entsteht und wie er behandelt wird und warum ein Zucken der Kiefermuskeln für Zähnepressen gehalten werden kann.

Kurze Antwort

Zucken im Gesicht ist meist harmlos: Kurzes Zucken am Augenlid, besonders am Unterlid, kommt mit Stress, Schlafmangel, Koffein und müden Augen und vergeht, wenn der Auslöser nachlässt. Breitet sich das Zucken vom Auge auf Wange und Mundwinkel aus, betrifft nur eine Gesichtshälfte und nimmt seit Monaten zu, wird an einen Spasmus hemifacialis gedacht; gehen Sie in die Neurologie. Kommen hängende Gesichtshälfte, Armschwäche, Sprachstörung oder Bewusstseinsveränderung hinzu, wählen Sie die 112. Auch bei plötzlichem Sehverlust die 112, selbst wenn er vergeht. Bei langsamer entstehender Sehveränderung noch am selben Tag zur Augenärztin oder zum Augenarzt.

Häufigste Form
Lidzucken (Myokymie), harmlos
Spasmus hemifacialis
Einseitig, schmerzlos, breitet sich vom Auge zum Mund aus, hält auch im Schlaf an
Häufigste Ursache
Ein Blutgefäß, das auf den Gesichtsnerv drückt
Erste Behandlung
Spritze mit Botulinumtoxin; Wirkung 3–4 Monate

Die Formen des Zuckens und wie sie sich unterscheiden

Ein Zucken ist das unwillkürliche Zusammenziehen eines Muskels oder einer Gruppe von Muskelfasern. Die Cleveland Clinic teilt das Zucken um Auge und Gesicht in vier Formen ein. Am häufigsten ist die Myokymie: kleine, langsame, regelmäßige Schläge, besonders am unteren Augenlid; sie hält meist nur kurz an. Faszikulationen fühlen sich wie ein kurzes, schnelles Hüpfen am Lid oder um das Auge an und vergehen rasch. Beim Blepharospasmus ziehen sich die Augenlider so stark zusammen, dass die Person blinzeln oder das Auge schließen muss; das kann ein Auge oder beide zugleich betreffen. Der Spasmus hemifacialis betrifft dagegen nur die Muskeln einer Gesichtsseite, beginnt meist am Augenlid und breitet sich mit der Zeit auf die ganze Seite aus.

Die Auslöser des harmlosen Zuckens stammen meist aus dem Alltag. Die Cleveland Clinic zählt Stress und Angst, Schlafmangel, anregende Stoffe wie Koffein und Nikotin, Nebenwirkungen von Medikamenten, den plötzlichen Wechsel von Dunkelheit in helles Licht, müde Augen und starke körperliche Erschöpfung zu den häufigsten Ursachen; sie schreibt, dass oft mehrere davon zusammenwirken und dass die häufigsten Formen des Zuckens harmlos sind und von selbst vergehen. Ist das Zucken nach Beginn eines neuen Medikaments häufiger geworden, wird empfohlen, das Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu sagen.

Es gibt eine einfache Unterscheidung, die Sie zu Hause machen können: Beobachten Sie das Zucken eine Woche lang und beantworten Sie diese Fragen. Zuckt nur das Augenlid, oder ziehen sich Wange oder Mundwinkel mit zusammen? Ist es auf einer Seite oder an beiden Augen zugleich? Hat Ihre Partnerin oder Ihr Partner im Schlaf Zuckungen in Ihrem Gesicht gesehen? Wird es an Tagen weniger, an denen Sie weniger Koffein trinken und gut schlafen? Ein Zucken nur am Lid, das kommt und geht und sich mit dem Auslöser ändert, passt zur Myokymie. Ein einseitiges Zucken, das sich auf Wange und Mund ausbreitet und auch im Schlaf anhält, passt zum Spasmus hemifacialis. Kräftige Zuckungen, die um das Auge bleiben und das Auge zwangsweise schließen, lassen an einen Blepharospasmus denken. Ein einminütiges Handyvideo erleichtert der Ärztin oder dem Arzt die Unterscheidung sehr.

Die Ursache des Spasmus hemifacialis ist meist mechanisch. Die MSD Manuals beschreiben dieses Bild als einseitige, schmerzlose und gleichzeitige Kontraktion der Gesichtsmuskeln durch wiederholte unwillkürliche Impulse aus dem Gesichtsnerv und schreiben, dass es meist von einem Blutgefäß ausgeht, das pulsierend auf den Gesichtsnerv drückt. Die Zuckungen beginnen meist am Augenlid und breiten sich dann auf Wange und Mund aus; anfangs treten sie zeitweise auf, mit der Zeit können sie nahezu ständig werden. Die Cleveland Clinic ergänzt, dass die Erkrankung meist zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr beginnt, selten ist und bei Frauen doppelt so häufig auftritt wie bei Männern.

Die Cleveland Clinic nennt auch einige typische Einzelheiten des Spasmus hemifacialis: unwillkürliches Schließen des Auges, unwillkürliches Heben der Augenbraue, Verziehen des Mundes zur Seite, ein Klickgeräusch im Ohr und Zuckungen, die auch im Schlaf anhalten. Stress, Müdigkeit, Essen und Angst können die Beschwerden verstärken. Die Krämpfe verursachen keine Schmerzen; darin unterscheidet er sich von der Trigeminusneuralgie, die im Gesicht Schmerzen wie Stromschläge verursacht. MSD gibt an, dass beide Erkrankungen einen ähnlichen Mechanismus des Gefäßdrucks teilen und deshalb manche Medikamente und die Operation bei beiden eingesetzt werden.

Seltener ist das Zucken die Folge einer anderen Erkrankung. Die Cleveland Clinic zählt zu den Ursachen des sekundären Spasmus hemifacialis Verletzungen in der Nähe des Gesichtsnervs, die Bell-Lähmung, Schäden am Hirnstamm wie bei multipler Sklerose oder Schlaganfall, strukturelle Probleme wie ein Aneurysma an Hirngefäßen, Entzündungen des Mittelohrs und des Knochens hinter dem Ohr sowie Tumoren der Ohrspeicheldrüse vor dem Ohr. Deshalb wird beim Spasmus hemifacialis eine Magnetresonanztomografie angefordert, sowohl um das drückende Gefäß zu zeigen als auch um diese Ursachen auszuschließen. MSD schreibt, dass auch fokale epileptische Anfälle, Blepharospasmus und Tics ähnlich aussehen können und bei der Unterscheidung bedacht werden sollten.

Unwillkürliche Bewegungen nach einer Bell-Lähmung sind ein eigenes Bild. MSD schreibt, dass heilende Fasern des Gesichtsnervs zu den falschen Muskeln wachsen können und dass dadurch unwillkürliche Mitbewegungen (Synkinesien) entstehen können, etwa dass sich beim Blinzeln der Mundwinkel bewegt, oder dass das Auge beim Essen tränt. Betroffene beschreiben das mitunter als Zucken. Hatten Sie früher eine Gesichtslähmung, sagen Sie es Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt unbedingt.

Der Teil, der die Zahnmedizin betrifft, sind die Kiefermuskeln. Der hemimastikatorische Spasmus (Krampf der Kaumuskeln einer Seite) ist eine seltene Erkrankung, die nicht den Gesichtsnerv, sondern den Nerv betrifft, der die Kaumuskeln steuert: Er verursacht plötzliche Kontraktionen oder Zuckungen in den kieferschließenden Muskeln einer Seite. In einer Übersicht, die 117 Fälle aus 57 Veröffentlichungen zusammenfasste, war der am häufigsten betroffene Muskel der Kaumuskel (Masseter, 97,4 Prozent), gefolgt vom Schläfenmuskel (47,9 Prozent); bei einem Teil der Fälle kamen eine Verhärtung der Haut oder ein Gewebeschwund einer Gesichtshälfte hinzu. Eine Übersicht desselben Autors gibt an, dass die meisten Patientinnen und Patienten mit solchen Bewegungsstörungen sich zuerst an die Zahnärztin oder den Zahnarzt oder an die Oralchirurgie wenden und dass diese Störungen als Zähnepressen oder Kiefergelenkstörung diagnostiziert werden können. Bei einseitigen, anfallsartigen Kieferkontraktionen, die auch im Schlaf anhalten, sollte an diese Möglichkeit gedacht werden.

Welches Bild auf ein harmloses Zucken und welches auf eine ärztlich abzuklärende Ursache hinweist

Beide Listen dienen nicht der Diagnose, sondern der Entscheidung, ob Sie ärztlichen Rat suchen und wie schnell. Die Bilder der ersten Liste vergehen meist von selbst; trifft ein Punkt der zweiten Liste zu, lassen Sie sich ärztlich untersuchen.

Wann es passt

  • Kurze Schläge nur an einem Augenlid, besonders am UnterlidDie Cleveland Clinic beschreibt das als Myokymie, die häufigste Form des Zuckens, und schreibt, dass sie meist nur kurz anhält.
  • Es begann in einer anstrengenden, schlafarmen Zeit oder einer Zeit mit viel KaffeeStress, Schlafmangel und Koffein sind die häufigsten Auslöser. Lässt das Zucken nach, wenn Sie diese verringern, spricht das für eine harmlose Ursache.
  • Es nimmt bei langer Bildschirmarbeit oder müden Augen zuMüde Augen gehören zu den Auslösern. Bei langem Blick auf den Bildschirm Pausen einzulegen und prüfen zu lassen, ob Ihre Brille noch passt, kann helfen.
  • Das Sehen ist normal, es gibt keine Schwäche im Gesicht, das Zucken lässt innerhalb von Tagen nachDie Cleveland Clinic schreibt, dass ein Zucken, das das Sehen nicht beeinträchtigt und Sie nicht beunruhigt, meist keine Behandlung braucht.

Wann eher nicht

  • Zusammen mit dem Zucken plötzlich hängende Gesichtshälfte, Schwäche im Arm, Sprachstörung oder BewusstseinsveränderungDieses Bild lässt an einen Schlaganfall oder einen Anfall denken. Wählen Sie sofort die 112.
  • Das Zucken breitet sich vom Auge auf Wange und Mundwinkel aus, nur auf einer SeiteMSD und Cleveland Clinic schreiben, dass der Spasmus hemifacialis typischerweise am Augenlid beginnt und sich auf Wange und Mund ausbreitet. Gehen Sie in die Neurologie; eine Magnetresonanztomografie kann nötig sein.
  • Die Zuckungen schließen das Auge oder beeinträchtigen Ihr SehenDie Cleveland Clinic empfiehlt, bei einem Zucken, das das Sehen beeinträchtigt, ärztlichen Rat zu suchen, und bei einer bemerkten Veränderung des Sehens sofort. Kräftige Zuckungen, die um das Auge bleiben und das Auge zwangsweise schließen, lassen an einen Blepharospasmus denken.
  • Zusammen mit dem Zucken Ohrenschmerzen, Ausfluss aus dem Ohr, Hörverlust oder ein Knoten vor dem OhrDie Cleveland Clinic zählt Ohrentzündungen und Tumoren der Ohrspeicheldrüse vor dem Ohr zu den Ursachen des sekundären Spasmus hemifacialis. Eine Untersuchung in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde ist nötig.
  • Einseitige, anfallsartige Kontraktionen der Kiefermuskeln, die auch im Schlaf anhaltenDas kann auf einen hemimastikatorischen Spasmus hinweisen. Spricht es nicht auf die Behandlung des Zähnepressens an, bitten Sie um eine gemeinsame Beurteilung mit der Neurologie.

Was bei einem Zucken Schritt für Schritt gemacht wird

Die Reihenfolge beginnt bewusst mit der gefährlichsten Möglichkeit, geht dann zu den häufigsten und harmlosen Ursachen und zuletzt zur ärztlichen Beurteilung über.

  1. 1

    Prüfen Sie die Notfallzeichen

    Ist zusammen mit dem Zucken eine Gesichtshälfte plötzlich abgesackt oder bestehen Schwäche im Arm, eine Sprachstörung, eine Bewusstseinsveränderung oder breiten sich die Zuckungen auf Arm oder Bein aus, wählen Sie die 112. Plötzlicher Sehverlust oder verschwommenes Sehen an einem oder beiden Augen kann ebenfalls ein Schlaganfallzeichen sein; wählen Sie die 112 und fahren Sie nicht selbst Auto. Auch wenn die Beschwerden rasch vergehen, gilt derselbe Weg.

  2. 2

    Verringern Sie die Auslöser

    Verringern Sie ein, zwei Wochen lang Koffein und Nikotin, bringen Sie Ihren Schlaf in Ordnung und legen Sie am Bildschirm regelmäßig Pausen ein. Die Cleveland Clinic schreibt, dass die Myokymie meist vergeht, wenn diese beitragenden Faktoren behoben werden.

  3. 3

    Beobachtung und Video

    Notieren Sie, wo das Zucken beginnt, wohin es sich ausbreitet, wie oft es auftritt und ob es im Schlaf anhält. Nehmen Sie während einer Zuckung ein kurzes Handyvideo auf; bei der Untersuchung zuckt es vielleicht gerade nicht.

  4. 4

    Ärztliche Untersuchung

    Hält das Zucken an, breitet es sich aus oder beunruhigt es Sie, gehen Sie zur Hausärztin oder zum Hausarzt oder in die Neurologie. Die Cleveland Clinic schreibt, dass beim Spasmus hemifacialis eine körperliche und neurologische Untersuchung erfolgt und zur Unterscheidung bei Bedarf eine Elektromyografie (EMG), die die elektrische Muskelaktivität misst, angeordnet wird.

  5. 5

    Magnetresonanztomografie

    Beim Spasmus hemifacialis wird eine Magnetresonanztomografie des Gehirns gemacht, sowohl um das Gefäß zu zeigen, das auf den Gesichtsnerv drückt, als auch um sekundäre Ursachen wie einen Tumor, multiple Sklerose oder eine Gefäßfehlbildung auszuschließen. MSD schreibt, dass das drückende Gefäß in der Magnetresonanztomografie häufig zu sehen ist, die Diagnose aber letztlich durch die Untersuchung gestellt wird.

  6. 6

    Botulinumtoxin

    MSD schreibt, dass die wirksamste Behandlung des Spasmus hemifacialis Spritzen mit Botulinumtoxin in die zuckenden Muskeln sind. Die Cleveland Clinic gibt an, dass die Wirkung 3–6 Tage nach der Spritze einsetzt und meist 3–4 Monate anhält, weshalb die Spritze regelmäßig wiederholt wird. Eine Cochrane-Übersicht fand keine randomisierten Studien im Vergleich mit Placebo; Beobachtungsdaten zeigen aber eine deutliche Besserung der Beschwerden und ein günstiges Sicherheitsprofil.

  7. 7

    Medikamente und Operation

    Bei Menschen, die keine Spritzen möchten oder nicht darauf ansprechen, werden Mittel gegen Krampfanfälle, Muskelentspanner und einige andere Medikamente versucht; die Cleveland Clinic schreibt, dass diese nicht bei allen wirken und bei langer Einnahme Schläfrigkeit und Müdigkeit verursachen können. Die dauerhafte Lösung ist die Operation der mikrovaskulären Dekompression, bei der das auf den Nerv drückende Gefäß vom Nerv gelöst wird; sie wird bei schweren Fällen empfohlen und wenn die Spritzen nicht helfen.

Weitere Zustände, die einem Zucken ähneln

Bilder, die unwillkürliche Bewegungen im Gesicht verursachen und mit einem Zucken verwechselt werden können. Die Unterscheidung treffen Untersuchung, Video und bei Bedarf Bildgebung und Elektromyografie.

01

Blepharospasmus

Kräftige Kontraktionen der Augenlider, an einem oder beiden Augen; die Cleveland Clinic schreibt, dass die Zuckungen bis zu einer Stunde anhalten können und sich in schweren Fällen anfühlen, als würden die Augen zwangsweise geschlossen. Er bleibt um das Auge und breitet sich nicht auf Wange und Mund aus.

02

Unwillkürliche Mitbewegungen nach einer Bell-Lähmung

Sie entstehen, wenn Nervenfasern bei der Heilung einer Gesichtslähmung zu den falschen Muskeln wachsen. Typisch ist, dass sich beim Blinzeln der Mundwinkel bewegt.

03

Fokaler epileptischer Anfall

MSD schreibt, dass fokale Anfälle einen Spasmus hemifacialis nachahmen können. Breiten sich die Zuckungen auf den Arm aus, verändert sich das Bewusstsein oder folgt Verwirrtheit, weist das in diese Richtung und verlangt eine Notfallbeurteilung.

04

Tics

Wiederholte Bewegungen, die die Person aus einem inneren Drang ausführt und teilweise unterdrücken kann. MSD zählt auch sie zur Differenzialdiagnose.

05

Hemimastikatorischer Spasmus

Anfallsartige Kontraktionen nicht in den Gesichtsmuskeln, sondern in den kieferschließenden Muskeln einer Seite. In der Übersicht wird berichtet, dass Botulinumtoxin in den meisten Fällen wirksam war, Medikamente zum Einnehmen dagegen oft nicht ausreichten.

06

Zähnepressen (Bruxismus)

Pressende und knirschende Bewegungen der Kiefermuskeln; meist beidseitig und im Schlaf oder in Stressmomenten. Es verursacht Müdigkeit und Verspannung der Muskeln; ein anderes Bild als einseitige, anfallsartige Kontraktionen.

Häufige Fehlentscheidungen bei einem Zucken

Im Folgenden die bei diesem Bild häufigen Fehlentscheidungen und ihr Preis.

Bei jedem Lidzucken eine ernste Krankheit fürchten

Die Cleveland Clinic schreibt, dass Augenzucken sehr häufig und meist harmlos ist und dass das Wissen, dass ein Zucken harmlos ist, die Aufmerksamkeit darauf und damit auch seine Häufigkeit verringern kann. Angst ist für sich schon ein Auslöser.

Ein sich ausbreitendes Zucken jahrelang als Stress abtun

Ein Spasmus hemifacialis vergeht nicht von selbst; die Cochrane-Übersicht beschreibt ihn als chronische Erkrankung, bei der eine spontane Besserung sehr selten ist. Für eine behandelbare Erkrankung können so Jahre verloren gehen.

Die Diagnose ohne Magnetresonanztomografie festlegen

Ein Teil der Fälle von Spasmus hemifacialis geht auf sekundäre Ursachen wie einen Tumor, multiple Sklerose oder eine Gefäßfehlbildung zurück. MSD schreibt, dass die Diagnose durch die Untersuchung gestellt wird; vor der Behandlung werden diese sekundären Ursachen aber mit Bildgebung ausgeschlossen.

Einseitige Kieferkontraktionen nur für Zähnepressen halten

Die Übersicht von Yoshida schreibt, dass Bewegungsstörungen im Kieferbereich als Zähnepressen oder Kiefergelenkstörung diagnostiziert werden können und dass Patientinnen und Patienten jahrelang verschiedene Ärztinnen und Ärzte aufsuchen können. Bitten Sie bei einseitigen, anfallsartigen Kontraktionen, die nicht auf eine Aufbissschiene ansprechen, um eine neurologische Beurteilung.

Ein Zucken, das mit einem neuen Medikament begann, verschweigen

Die Cleveland Clinic schreibt, dass ein Zucken, das nach Beginn eines neuen Medikaments häufiger wird, eine Nebenwirkung sein kann und der Ärztin oder dem Arzt gemeldet werden sollte. Setzen Sie das Medikament aber nicht eigenmächtig ab.

Verlauf des Zuckens und was nach der Behandlung zu erwarten ist

Der Verlauf unterscheidet sich je nach Form stark. Der folgende Ablauf fasst die üblichen Erwartungen vom harmlosen Lidzucken bis zur Behandlung des Spasmus hemifacialis zusammen.

  1. Harmloses Lidzucken

    Die Cleveland Clinic schreibt, dass die Schläge der Myokymie meist Sekunden oder Minuten dauern, dass die meisten Fälle ohne Behandlung innerhalb von Tagen oder Wochen vergehen, und empfiehlt bei einem Zucken, das nach einigen Wochen nicht vergangen ist oder den Alltag stört, die Augenärztin oder den Augenarzt oder die Hausarztpraxis aufzusuchen.

  2. Spasmus hemifacialis, unbehandelt

    Die Cleveland Clinic schreibt, dass die Krämpfe mit der Zeit tendenziell schlimmer werden und mehr Gesichtsmuskeln erfassen und bei manchen Menschen nahezu ständig werden können.

  3. Die erste Woche nach Botulinumtoxin

    Die Wirkung setzt nach 3–6 Tagen ein. Die Cleveland Clinic zählt Reizungen am Auge, ein herabhängendes Augenlid und eine vorübergehende Schwäche im Gesicht zu den möglichen Nebenwirkungen.

  4. 3–4 Monate

    Die Wirkung lässt nach, und die Spritze wird wiederholt. Dosis und Einstichstellen lassen sich je nach Ansprechen anpassen.

  5. Nach der Operation

    Die Cleveland Clinic schreibt, dass eine erfolgreiche mikrovaskuläre Dekompression die Erkrankung beendet, dass sie aber Risiken wie eine vorübergehende oder dauerhafte Gesichtslähmung, Hörverlust und ein Austreten von Hirnwasser hat.

Warten Sie in diesen Fällen nicht

  • Plötzlich hängende Gesichtshälfte, Schwäche im Arm, Sprachstörung oder Bewusstseinsveränderung. Wählen Sie sofort die 112.
  • Langsam entstehende Veränderung des Sehens. Gehen Sie noch am selben Tag zur Augenärztin oder zum Augenarzt.
  • Das Zucken hält seit einigen Wochen an oder breitet sich auf Wange und Mund aus. Vereinbaren Sie einen Termin in der Neurologie.
  • Nach Botulinumtoxin lässt sich das Auge nicht schließen oder das Lid hängt deutlich. Das Auge muss eventuell geschützt werden; informieren Sie die Ärztin oder den Arzt, die oder der die Spritze gesetzt hat.
  • Einseitige Kieferkontraktionen halten trotz Aufbissschiene an. Bitten Sie Ihre Zahnärztin oder Ihren Zahnarzt um eine gemeinsame Beurteilung mit der Neurologie.

Was den Umfang der Abklärung und der Behandlung bestimmt

Wir nennen hier keine Zahlen, denn der Umfang hängt stark von der Form des Zuckens ab. Ein harmloses Lidzucken braucht meist keinerlei Behandlung. Beim Spasmus hemifacialis bestimmen diese Posten den Umfang:

Bildgebung und Tests
Magnetresonanztomografie des Gehirns und bei Bedarf Elektromyografie.
Art der Behandlung
Botulinumtoxin ist eine in regelmäßigen Abständen wiederholte Behandlung; eine medikamentöse Behandlung muss dauerhaft erfolgen; die Operation ist ein einmaliger Eingriff, der aber einen Krankenhausaufenthalt erfordert.
Zahl der betroffenen Muskeln
Je mehr Gesichtsmuskeln der Krampf erfasst, desto mehr Einstichstellen und desto höher die Dosis.
Zugrunde liegende Ursache
Beim sekundären Spasmus hemifacialis kommt die eigene Behandlung des Tumors, der Ohrerkrankung oder der Hirnstammerkrankung zum Umfang hinzu.

Häufige Fragen zum Zucken im Gesicht

Warum zuckt mein Augenlid?

Die häufigsten Ursachen sind Stress, Schlafmangel, Koffein und Nikotin, müde Augen und starke Erschöpfung. Die Cleveland Clinic schreibt, dass ein solches Zucken meist harmlos ist und vergeht, wenn die Auslöser verringert werden.

Wofür kann ein Zucken im Gesicht ein Zeichen sein?

Meist für ein harmloses Muskelzucken. Breitet sich das Zucken vom Auge auf Wange und Mund aus und betrifft nur eine Gesichtshälfte, wird an einen Spasmus hemifacialis gedacht. Selten können auch Mitbewegungen nach einer Bell-Lähmung, ein fokaler Anfall oder Hirnstammerkrankungen wie multiple Sklerose ähnlich aussehen.

Ist ein Spasmus hemifacialis gefährlich?

Er ist keine lebensbedrohliche Erkrankung und verursacht keine Schmerzen, vergeht aber nicht von selbst und kann mit der Zeit zunehmen. Meist geht er von einem Blutgefäß aus, das auf den Gesichtsnerv drückt; die Magnetresonanztomografie wird gemacht, um seltene sekundäre Ursachen auszuschließen.

Zu welcher Ärztin oder welchem Arzt geht man mit einem Zucken?

Bleibt es auf das Augenlid beschränkt und beeinträchtigt das Sehen, in die Augenheilkunde; breitet es sich auf eine Gesichtshälfte aus, in die Neurologie. Bei Befunden am Ohr oder einem Knoten vor dem Ohr in die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Bei einseitigen Kontraktionen der Kiefermuskeln Zahnmedizin und Neurologie gemeinsam.

Wann ist ein Zucken ein Notfall?

Wählen Sie sofort die 112 bei plötzlich hängender Gesichtshälfte, Schwäche in Arm oder Bein, Sprachstörung, Bewusstseinsveränderung oder wenn sich die Zuckungen auf den Arm ausbreiten. Auch plötzlicher Sehverlust kann ein Schlaganfallzeichen sein; wählen Sie die 112. Rufen Sie auch an, wenn die Beschwerden rasch vergehen, und fahren Sie nicht selbst in die Notaufnahme.

Beseitigt Botox einen Spasmus hemifacialis?

Nicht dauerhaft, aber es verringert die Krämpfe deutlich. Die Cleveland Clinic schreibt, dass die Wirkung nach 3–6 Tagen einsetzt und 3–4 Monate anhält, weshalb die Spritze regelmäßig wiederholt wird. Die dauerhafte Lösung ist die Operation der mikrovaskulären Dekompression.

Kann ein Zucken von den Zähnen oder einer Zahnbehandlung kommen?

Es gibt keinen Beleg für einen direkten Zusammenhang zwischen Zucken der Gesichtsmuskeln und den Zähnen. Einseitige, anfallsartige Kontraktionen der Kiefermuskeln können dagegen eine seltene Erkrankung namens hemimastikatorischer Spasmus sein und mit Zähnepressen verwechselt werden. Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt kann bei dieser Unterscheidung mit der Neurologie zusammenarbeiten.

Was hilft zu Hause gegen ein Zucken?

Koffein und Nikotin zu verringern, regelmäßig zu schlafen, mit Stress umzugehen und am Bildschirm Pausen einzulegen. Das hilft beim harmlosen Lidzucken; beim Spasmus hemifacialis ist die Wirkung begrenzt, die Behandlung wird ärztlich geplant.

Quellen

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