Schwellung und Infektion
Schluckbeschwerden: Ursachen, was ein Notfall ist und zu welcher Ärztin oder welchem Arzt?
Können Sie Ihren eigenen Speichel nicht schlucken, läuft Ihnen Speichel aus dem Mund oder wird Ihnen die Luft knapp, ist das keine Sache für einen Termin: 112
Schluckbeschwerden, medizinisch Dysphagie, bedeuten, dass Bissen oder Flüssigkeit auf dem Weg vom Mund in den Magen behindert werden. Manchmal treten sie mit einer Hals- oder Zahninfektion innerhalb weniger Tage auf, manchmal nehmen sie über Monate schleichend zu. Die Ursache kann im Mund, im Rachen, in der Speiseröhre oder im Nervensystem liegen. Unten finden Sie zuerst, welches Bild sofort Notfallhilfe braucht, dann, wie Sie mit Ihrer eigenen Beobachtung eingrenzen können, wo die Störung liegt, die Ursachen in Zähnen und Mund, welche Untersuchungen die Ärztin oder der Arzt macht und warum langsam fortschreitende Schluckbeschwerden nicht aufgeschoben werden sollten.
Kurze Antwort
Schluckbeschwerden gehen meist auf einen anderen Zustand zurück, etwa eine Halsinfektion, Reflux, Medikamente, Mundtrockenheit oder einen Schlaganfall. Wählen Sie die 112, wenn Sie gar nichts schlucken können, Speichel aus dem Mund läuft, Atmen oder Sprechen schwerfällt, beim Einatmen ein feines Pfeifen zu hören ist oder Mundinneres und Hals rasch anschwellen. Auch plötzliche Schluckbeschwerden mit hängender Gesichtshälfte oder Sprachstörung können ein Schlaganfall sein. Fehlen diese Zeichen, bitten Sie Ihre Hausarztpraxis um einen dringenden Termin; ein steckenbleibender Bissen oder zunehmende Schluckbeschwerden werden per Endoskopie abgeklärt, um Krebs auszuschließen.
- Sofort 112
- Nicht schlucken können, Speichelfluss, Atemnot, pfeifende Atmung
- Zwei Hauptformen
- Vom Mund und Rachen ausgehend oder von der Speiseröhre ausgehend
- Steckengebliebener Bissen
- Geht auch kein Speichel durch, am selben Tag Notfallendoskopie
- Anhaltende Schluckbeschwerden
- Magenspiegelung, um Krebs auszuschließen
Wo das Schlucken gestört ist und was ein Notfall ist
Schlucken ist eine Kette von Bewegungen, die im Mund beginnt und im Magen endet. Die Zunge schiebt den Bissen nach hinten, die Rachenmuskeln befördern ihn zum Eingang der Speiseröhre, und die Speiseröhre zieht sich wellenförmig zusammen und bringt ihn in den Magen. Die MSD Manuals definieren Schluckbeschwerden als Behinderung des Übergangs von Flüssigkeit, fester Nahrung oder beidem vom Rachen in den Magen und grenzen sie vom Kloßgefühl im Hals (Globus) ab: Beim Globus fühlt es sich an, als sitze etwas im Hals, der Bissen geht aber problemlos durch. Geht der Bissen problemlos durch und besteht nur ein Kloßgefühl, passt unsere Seite zum Kloßgefühl im Hals besser zu Ihnen.
Als Erstes gilt es zu klären, ob ein Notfall vorliegt. Der NHS empfiehlt bei Halsschmerzen, sofort Notfallhilfe zu rufen bei Atemnot oder völliger Unfähigkeit zu schlucken, bei Speichelfluss, weil nicht geschluckt werden kann, bei einem hohen Geräusch beim Einatmen (Stridor) und bei rasch schlimmer werdenden schweren Beschwerden; in der Türkei bedeutet das die 112. Beim Zahnabszess gilt dieselbe Schwelle: Notaufnahme, wenn Atmen, Sprechen oder Schlucken schwerfallen, der Mund innen stark geschwollen ist, das Auge anschwillt oder sich das Sehen verschlechtert. Für eine Eiteransammlung um die Mandel (Peritonsillarabszess) nennt der NHS als Zeichen rasch zunehmende starke Halsschmerzen, Schwellung in Mund und Rachen, Schwierigkeiten beim Sprechen, Unfähigkeit zu schlucken, Atemnot und die Unfähigkeit, den Mund zu öffnen.
Die Schwellung des Kehldeckels (Epiglottitis) ist das tückischste Bild auf dieser Liste. Der NHS beschreibt sie als Notfall, bei dem der Deckel, der beim Schlucken die Luftröhre verschließt, anschwillt und die Atemwege blockieren kann, und der sofort im Krankenhaus behandelt werden muss. Die Zeichen entwickeln sich rasch: sehr starke Halsschmerzen, hohes Fieber, eine belegte Stimme, schmerzhaftes und erschwertes Schlucken, Speichelfluss und eine pfeifende Atmung, die sich beim Vorbeugen bessert. Der NHS schreibt, dass man bis zum Eintreffen der Hilfe aufrecht sitzen sollte, weil Hinlegen die Beschwerden verschlimmern kann.
Schluckbeschwerden, die von einem Zahn ausgehen, entstehen meist dadurch, dass sich eine Infektion von den unteren Backenzähnen unter den Kiefer und in die tiefen Räume des Halses ausbreitet. Dann können die Schluckbeschwerden ein Zeichen dafür sein, dass sich die Infektion den Atemwegen nähert. In einer Studie der Universität zu Köln mit 499 Patientinnen und Patienten, die wegen einer schweren, von den Zähnen ausgehenden Halsinfektion operiert wurden, waren bei Menschen mit Schluckbeschwerden und Atemnot häufiger erweiterte Verfahren nötig, um die Atemwege während der Narkose zu sichern; Atemnot war mit einer Aufnahme auf die Intensivstation verbunden, und bei 4 Patientinnen und Patienten (0,8 Prozent) musste direkt am Hals ein Atemweg geschaffen werden. Wie dieses Bild fortschreitet, beschreiben wir auf unserer Seite zur sich im Gesicht ausbreitenden Infektion.
Gibt es kein Notfallzeichen, lautet die zweite Frage, wo die Störung liegt. MSD unterscheidet zwei Formen. Bei Schluckbeschwerden, die von Mund und Rachen ausgehen, fällt es schwer, das Schlucken einzuleiten, Flüssigkeit kommt aus der Nase, man hustet oder verschluckt sich beim Schlucken; Speichel und Essen können aus dem Mund entweichen. Diese Form tritt meist bei Nerven- und Muskelerkrankungen auf, etwa nach einem Schlaganfall, bei Parkinson-Krankheit, multipler Sklerose, Motoneuronerkrankungen oder Myasthenia gravis. Bei Schluckbeschwerden, die von der Speiseröhre ausgehen, bleibt der Bissen dagegen nach dem Schlucken in der Brust stecken. Die Ursache ist entweder eine Bewegungsstörung der Speiseröhre oder ein mechanisches Hindernis wie eine Engstelle, ein Ring oder ein Tumor.
Ihre eigene Beobachtung sagt der Ärztin oder dem Arzt viel. MSD schreibt, dass Beschwerden nur bei fester Nahrung auf ein mechanisches Hindernis hinweisen, während Beschwerden bei fester und flüssiger Nahrung zusammen für sich allein nichts aussagen. Beschwerden, die zeitweise kommen und gehen, weisen auf einen Ring in der Speiseröhre oder einen Muskelkrampf hin; Beschwerden, die über Monate oder Jahre von fester zu flüssiger Nahrung fortschreiten und nachts mit Hochkommen von Essen einhergehen, weisen auf eine Achalasie hin, eine Erkrankung, bei der sich der Muskel nicht entspannen kann. Rasch fortschreitende, ständige Schluckbeschwerden ohne weiteren neurologischen Befund lassen dagegen an eine Verengung der Speiseröhre denken, möglicherweise an Krebs. Zeigt die Person auf die untere Brust als die Stelle, an der der Bissen stecken bleibt, ist das meist der richtige Ort; die Höhe des Halses ist weniger genau.
Ein steckengebliebener Bissen ist ein eigenes Notfallthema. MSD schreibt, dass die häufigste Ursache für Fremdkörper in der Speiseröhre große, schlecht gekaute Fleischstücke sind und dass auch Fischgräten stecken bleiben können. Kann die Person Flüssigkeit oder wenigstens ihren Speichel schlucken, gilt der Verschluss als teilweise und weniger dringend. Kann sie nicht einmal ihren Speichel schlucken und läuft ständig Speichel heraus, ist der Verschluss vollständig und muss sofort endoskopisch entfernt werden; MSD gibt an, dass ein fest steckender Bissen, der länger als etwa 24 Stunden bleibt, das Risiko von Schäden und einer Durchbohrung der Speiseröhrenwand birgt. Echte Atemnot, Pfeifen oder ein hohes Atemgeräusch weisen dagegen darauf hin, dass der Gegenstand in den Atemwegen liegt: in diesem Fall die 112.
Auch der Mund ist das erste Glied des Schluckens, und hier spielen Zähne und Speichel eine wichtige Rolle. Speichel macht den Bissen weich und gleitfähig; der NHS schreibt, dass Mundtrockenheit durch Medikamente, Flüssigkeitsmangel, Mundatmung, Angst und Krebsbehandlungen entstehen kann und dass man bei Mundtrockenheit, die Sprechen oder Essen erschwert, die Hausärztin oder den Hausarzt aufsuchen sollte. Eine systematische Übersicht über 15 Studien bei zu Hause lebenden Menschen über 65 Jahren fand, dass wenige verbliebene Zähne, fehlende gegenüberliegende Zahnpaare, Mundtrockenheit und eine Schwäche der Zungen- und Lippenmuskeln durchgängig mit Schluckbeschwerden zusammenhingen. Die meisten dieser Studien sind Beobachtungsstudien; sie beweisen nicht, dass Zahnverlust allein Schluckbeschwerden verursacht, zeigen aber, dass bei älteren Menschen mit Schluckbeschwerden die Untersuchung des Mundes nicht ausgelassen werden sollte.
Dass langsam fortschreitende Schluckbeschwerden nicht aufgeschoben werden sollten, hat einen Grund. MSD schreibt, dass bei allen Menschen mit Schluckbeschwerden eine Magenspiegelung erfolgen sollte, um Krebs auszuschließen. Auch die englische nationale Gesundheitsleitlinie NICE empfiehlt, Menschen mit Schluckbeschwerden bei Verdacht auf Speiseröhrenkrebs auf den Weg der schnellen Überweisung zu bringen. Das heißt nicht, dass alle Schluckbeschwerden Krebs sind; auf der Liste von MSD stehen auch gutartige Ursachen wie eine refluxbedingte Verengung, Ringe in der Speiseröhre und eine allergische Speiseröhrenentzündung (eosinophile Ösophagitis). Die Unterscheidung gelingt aber nur mit der Endoskopie.
Welches Bild auf eine einfache Ursache und welches auf eine dringende oder ernste Ursache hinweist
Beide Listen dienen nicht der Diagnose, sondern zeigen, wie schnell Sie handeln sollten. Auch die Bilder der ersten Liste sollten ärztlich angesehen werden, lassen sich aber meist innerhalb von Tagen beurteilen. Trifft ein Punkt der zweiten Liste zu, warten Sie nicht.
Wann es passt
- Schmerzhaftes Schlucken mit fieberhaften Halsschmerzen, aber der Speichel geht durch und die Atmung ist freiBei einer Mandelentzündung kann das Schlucken schmerzhaft sein. Der NHS schreibt, dass die Beschwerden meist in 3–4 Tagen vergehen, und empfiehlt bei Halsschmerzen, die Essen und Trinken erschweren, oder bei Eiterpunkten auf den Mandeln eine Beurteilung am selben Tag.
- Trockene Speisen lassen sich schwer schlucken, mit Wasser geht es leichter, der Mund ist trockenWenig Speichel erschwert das Gleiten des Bissens. Prüfen Sie, ob Sie ein neues Medikament begonnen haben, setzen Sie aber, wie der NHS warnt, verschreibungspflichtige Medikamente nicht eigenmächtig ab; fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
- Schmerzen beim Schlucken in den ersten Tagen nach einer Weisheitszahnentfernung, die Schwellung nimmt abNach der Entfernung eines unteren Weisheitszahns kann die Anspannung der Kiefermuskeln das Schlucken schmerzhaft machen. Nehmen Schwellung und Schmerz jeden Tag etwas ab, ist das der erwartete Verlauf; nehmen sie zu, sehen Sie in der Liste unten nach.
- Sodbrennen, saures Aufstoßen und zeitweise ein Gefühl des SteckenbleibensReflux kann die Speiseröhre reizen und mit der Zeit verengen. Der NHS schreibt, dass sich refluxbedingte Schluckbeschwerden mit Behandlung bessern können; hält das Gefühl des Steckenbleibens trotzdem an, ist eine Endoskopie nötig.
Wann eher nicht
- Speichel nicht schlucken können, Speichelfluss, Atemnot, hohes AtemgeräuschDer NHS zählt diese zu den Zeichen, die sofort Notfallhilfe erfordern. Wählen Sie die 112, fahren Sie nicht selbst Auto und sitzen Sie aufrecht, bis Hilfe kommt.
- Nach Zahnschmerzen oder geschwollenem Zahnfleisch zunehmende Schwellung unter dem Kiefer und am Hals, der Mund lässt sich nicht öffnenDas weist darauf hin, dass sich eine von einem Zahn ausgehende Infektion in die tiefen Räume des Halses ausgebreitet hat. Der NHS empfiehlt beim Zahnabszess die Notaufnahme, wenn Atmen, Sprechen oder Schlucken schwerfallen und der Mund innen stark geschwollen ist. 112.
- Schluckbeschwerden, die plötzlich mit hängender Gesichtshälfte, Schwäche im Arm oder Sprachstörung beginnenDas weist auf einen Schlaganfall hin. MSD zählt neu aufgetretene neurologische Befunde, besonders mit Schwäche, zu den Warnzeichen bei Schluckbeschwerden. 112.
- Der Bissen ist in der Brust stecken geblieben und auch der Speichel geht nicht durchMSD beschreibt diesen Zustand als vollständigen Verschluss und empfiehlt eine sofortige Endoskopie. Gehen Sie noch am selben Tag in die Notaufnahme; stundenlanges Warten kann die Speiseröhrenwand schädigen.
- Über Wochen zunehmende Schluckbeschwerden, Gewichtsverlust, Heiserkeit oder ein Knoten am HalsMSD zählt Gewichtsverlust zu den Warnzeichen bei Schluckbeschwerden; NICE wertet Schluckbeschwerden als Grund für eine schnelle Überweisung bei Krebsverdacht. Die Notaufnahme ist nicht nötig, gehen Sie aber ohne Aufschub zur Hausärztin oder zum Hausarzt oder in eine Praxis für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde oder Gastroenterologie.
Was bei Schluckbeschwerden Schritt für Schritt gemacht wird
Die Reihenfolge beginnt bewusst bei den Atemwegen und geht dann zu Ort und Ursache der Störung über.
- 1
Atemwege und Notfallzeichen
Bei Atemnot, hohem Atemgeräusch, Speichelfluss, völliger Unfähigkeit zu schlucken, rasch wachsender Schwellung im Mund oder am Hals oder wenn sich der Mund nicht öffnen lässt, wählen Sie sofort die 112. Legen Sie sich nicht hin, sitzen Sie vorgebeugt oder aufrecht. Fahren Sie nicht selbst Auto.
- 2
Steckengebliebener Bissen
Kann die Person nicht husten, nicht sprechen und nicht atmen, ist das ein Ersticken: Wählen Sie die 112 und leisten Sie Erste Hilfe. Ist die Atmung frei, steckt der Bissen aber in der Brust fest und geht auch der Speichel nicht durch, gehen Sie noch am selben Tag in die Notaufnahme.
- 3
Untersuchung von Mund und Rachen
Bei Schluckbeschwerden mit Fieber und Schmerzen untersucht die Ärztin oder der Arzt die Mandeln, die Rachenhinterwand, den Mundboden und die Zähne und sucht nach Schwellung und Druckempfindlichkeit am Hals. Ist ein Zahn die Quelle, zeigt sich das durch die Untersuchung des Mundes und ein Röntgenbild. Bei Verdacht auf eine tiefe Halsinfektion wird eine Computertomografie gemacht.
- 4
Ausführliche Vorgeschichte
MSD schreibt, dass die Ärztin oder der Arzt fragt, seit wann die Beschwerden bestehen, ob sie plötzlich begonnen haben, ob sie bei fester oder flüssiger Nahrung oder bei beidem auftreten, ob Essen aus der Nase kommt, ob Speichel oder Essen aus dem Mund entweicht, ob der Bissen stecken bleibt und ob beim Essen Husten auftritt. Gefragt wird auch nach Muskelschwäche, rascher Ermüdung, Zittern sowie Gleichgewichts- und Sprachproblemen. Notieren Sie sich das vorher.
- 5
Endoskopie und weitere Untersuchungen
MSD schreibt, dass bei allen Menschen mit Schluckbeschwerden eine Magenspiegelung erfolgen und dabei eine Probe auf allergische Speiseröhrenentzündung entnommen werden sollte. Ist keine Endoskopie möglich oder findet sich keine Ursache, folgt ein Breischluck mit Barium und, wenn auch dieser normal ist, Tests der Speiseröhrenbewegung. Bei Störungen, die von Mund und Rachen ausgehen, werden Untersuchungen eingesetzt, bei denen das Schlucken per Video oder mit einer dünnen Kamera beobachtet wird.
- 6
Behandlung der Ursache
Der NHS schreibt, dass sich die Behandlung nach Ursache und Schwere richtet: Medikamente gegen Reflux, Schluckübungen mit Logopädin oder Logopäde, weiche Speisen und angedickte Getränke, spezielle Löffel und Becher, Eingriffe zur Weitung der Speiseröhre, Spritzen zur Entspannung der Muskeln und in schweren Fällen eine Ernährungssonde.
- 7
Beurteilung von Mund, Zähnen und Prothese
Besonders bei älteren Menschen können fehlende Zähne, eine wackelnde Prothese und Mundtrockenheit die Vorbereitung des Bissens erschweren. Eine zahnärztliche Untersuchung zusätzlich zur Schluckabklärung kann einen behebbaren Faktor aufdecken.
Mögliche Quellen von Schluckbeschwerden
Dasselbe Zeichen kann von sehr unterschiedlichen Stellen kommen. Im Folgenden die häufigsten Quellen und der jeweils typische Hinweis.
Halsinfektionen
Mandelentzündung, Abszess um die Mandel und Schwellung des Kehldeckels. Hinweis: Fieber, Halsschmerzen, belegte Stimme und schmerzhaftes Schlucken. Starke einseitige Halsschmerzen und die Unfähigkeit, den Mund zu öffnen, weisen auf einen Abszess hin.
Von einem Zahn ausgehende tiefe Halsinfektion
Eine Infektion, die sich von den unteren Backenzähnen ausbreitet, kann unter den Kiefer und in den Hals übergehen. Hinweis: vorausgehende Zahnschmerzen oder Zahnfleischschwellung, eine harte Schwellung unter dem Kiefer, die Unfähigkeit, den Mund zu öffnen, und Fieber.
Mundtrockenheit, fehlende Zähne und eine schlecht sitzende Prothese
Die Vorbereitung des Bissens im Mund wird schwieriger. Hinweis: Mühe bei trockenen Speisen, das Bedürfnis, mit Wasser nachzuspülen, nicht richtig kauen können. Studien bei älteren Menschen zeigen, dass diese Faktoren mit Schluckbeschwerden zusammenhängen.
Reflux, Engstellen und Ringe in der Speiseröhre
Hinweis: Sodbrennen, ein in der Brust steckenbleibender Bissen und Beschwerden, die zeitweise auftreten. MSD zählt die refluxbedingte Engstelle und die allergische Speiseröhrenentzündung zu den häufigen Ursachen.
Nerven- und Muskelerkrankungen
Schlaganfall, Parkinson-Krankheit, multiple Sklerose, Demenz, Motoneuronerkrankungen und Myasthenia gravis. Hinweis: das Schlucken nicht einleiten können, Husten beim Essen, Flüssigkeit, die aus der Nase kommt, eine feuchte, gurgelnde Stimme. Eine Ermüdung, die im Lauf des Tages zunimmt und bei wiederholter Bewegung deutlicher wird, weist auf Myasthenia gravis hin.
Tumoren
Krebs von Mund, Rachen und Speiseröhre oder ein Knoten, der von außen drückt. Hinweis: Beschwerden, die über Wochen fortschreiten, Gewichtsverlust, Heiserkeit, ein Knoten am Hals. Die Unterscheidung erfolgt mit Endoskopie und Bildgebung.
Häufige Fehlentscheidungen bei Schluckbeschwerden
Im Folgenden die bei diesem Bild häufigen Fehlentscheidungen und ihr Preis.
Beim Zahnabszess mit anschwellendem Hals zu Hause mit Antibiotika abwarten
Bei einer sich ausbreitenden Zahninfektion können Schluckbeschwerden ein Zeichen dafür sein, dass sich die Schwellung den Atemwegen nähert. In der Kölner Studie war bei Menschen mit Schluckbeschwerden und Atemnot häufiger ein Verfahren mit dünner Kamera nötig, um die Atemwege zu sichern; der stärkste Hinweis auf schwierige Atemwege war eine eingeschränkte Mundöffnung. Bei diesem Bild erfolgt die Behandlung im Krankenhaus, bei Bedarf mit einer Operation.
Mit einem steckengebliebenen Bissen bis zum Morgen warten
MSD schreibt, dass ein fest steckender Bissen, der länger als etwa 24 Stunden bleibt, das Risiko von Schäden und einer Durchbohrung der Speiseröhrenwand birgt. Geht der Speichel nicht durch, noch am selben Tag in die Notaufnahme.
Zunehmende Schluckbeschwerden dem Alter oder Stress zuschreiben
Rasch fortschreitende und ständige Schluckbeschwerden weisen auf eine Verengung der Speiseröhre hin. Sie sollten nicht ohne Endoskopie als Globus oder Angst abgetan werden.
Husten beim Essen für normal halten
MSD schreibt, dass bei Schluckbeschwerden, die von Mund und Rachen ausgehen, Essen oder Speichel in die Luftröhre geraten können und dass dies zu einer Lungenentzündung und, wenn es sich wiederholt, zu einer chronischen Lungenerkrankung führen kann. Auch der NHS zählt häufig wiederkehrende Infektionen der Atemwege zu den Zeichen von Schluckbeschwerden.
Ein Medikament, das den Mund austrocknet, eigenmächtig absetzen
Der NHS empfiehlt, ein verschreibungspflichtiges Medikament, von dem Sie glauben, dass es Mundtrockenheit verursacht, nicht ohne ärztlichen Rat abzusetzen. Das Medikament zu wechseln oder die Dosis anzupassen, ist eine ärztliche Entscheidung.
Verlauf und Nachbeobachtung je nach Ursache
Wie lange Schluckbeschwerden dauern, hängt ganz von der Ursache ab. Der folgende Ablauf fasst den üblichen Verlauf der häufigsten Bilder zusammen; der Plan Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes hat Vorrang.
Halsinfektion
Der NHS schreibt, dass eine Mandelentzündung meist in 3–4 Tagen vergeht, und empfiehlt, bei Beschwerden, die nach 1 Woche nicht vergangen sind, die Hausärztin oder den Hausarzt aufzusuchen. In dieser Zeit erleichtern viel Flüssigkeit und weiche Speisen das Schlucken.
Von einem Zahn ausgehende Infektion
Ist der verursachende Zahn behandelt oder entfernt und der Eiter abgelassen, gehen Schwellung und Schluckschmerz innerhalb von Tagen zurück. Bei einer tiefen Halsinfektion wird die Behandlung im Krankenhaus fortgesetzt.
Reflux und Engstelle
Der NHS schreibt, dass sich refluxbedingte Schluckbeschwerden mit Behandlung von selbst bessern können. Besteht eine Engstelle, kann eine endoskopische Weitung nötig werden.
Schlaganfall und Nervenerkrankungen
Schlucktherapie, Ernährung mit angepasster Konsistenz und Änderungen der Körperhaltung sind ein langwieriger Prozess. Die Logopädin oder der Logopäde beurteilt in regelmäßigen Abständen neu, wie sicher das Schlucken ist.
Lang anhaltende Schluckbeschwerden
Der NHS schreibt, dass sich mit der Zeit Gewichtsverlust, Flüssigkeitsmangel und wiederkehrende Infektionen der Atemwege entwickeln können. Sich regelmäßig zu wiegen und die Ernährung mit einer Ernährungsfachkraft zu planen, verringert diese Risiken.
Warten Sie in diesen Fällen nicht
- Wenn Sie Ihren Speichel nicht schlucken können, Speichel aus dem Mund läuft oder Ihnen die Luft knapp wird. Wählen Sie sofort die 112 und sitzen Sie aufrecht.
- Wenn nach Zahnschmerzen der Bereich unter dem Kiefer oder der Hals anschwillt. Gehen Sie noch am selben Tag in die Notaufnahme oder zu einer Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgin oder einem Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen; bei Atem- oder Schluckbeschwerden die 112.
- Wenn ein Bissen stecken geblieben ist und nicht weitergeht. Geht auch der Speichel nicht durch, noch am selben Tag in die Notaufnahme; ist kein Atmen möglich, die 112. Geht der Speichel durch, der Bissen aber nicht hinunter, schieben Sie es nicht auf den nächsten Tag, sondern lassen Sie sich noch am selben Tag ärztlich untersuchen; MSD schreibt, dass ein fest steckender Gegenstand, der länger als etwa 24 Stunden bleibt, die Speiseröhrenwand schädigen kann.
- Wenn Sie beim Essen oft husten oder immer wieder Infektionen der Atemwege haben. Essen könnte in die Luftröhre geraten; bitten Sie Ihre Hausarztpraxis um einen dringenden Termin für eine Schluckabklärung.
- Wenn die Schluckbeschwerden seit Wochen bestehen oder Sie Gewicht verlieren. Gehen Sie ohne Aufschub zur Hausärztin oder zum Hausarzt oder in eine Praxis für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde oder Gastroenterologie; eine Endoskopie kann nötig sein.
Was den Umfang der Abklärung bestimmt
Wir nennen hier keine Zahlen, denn der Umfang hängt stark davon ab, wo die Ursache liegt. Diese Posten bestimmen den Umfang:
- Notfall
- Infektionen, die die Atemwege bedrohen, und steckengebliebene Bissen erfordern eine Behandlung im Krankenhaus, bei Bedarf eine Operation oder eine Notfallendoskopie.
- Diagnostische Untersuchungen
- Magenspiegelung mit Probenentnahme, Breischluck mit Barium, Tests der Speiseröhrenbewegung und Schluckuntersuchungen kommen je nach Ursache hinzu.
- Langfristige Behandlung
- Bei Schluckbeschwerden durch Nerven- und Muskelerkrankungen erstrecken sich Schlucktherapie, Ernährungsberatung und spezielle Ernährungsprodukte über längere Zeit.
- Mund- und Zahnbehandlung
- Ist die Quelle eine Zahninfektion, eine Zahnbehandlung; spielen fehlende Zähne oder eine schlecht sitzende Prothese eine Rolle, wird ein Prothesen- oder Zahnplan gesondert besprochen.
Häufige Fragen zu Schluckbeschwerden
Wann sind Schluckbeschwerden ein Notfall?
Wählen Sie sofort die 112, wenn Sie gar nichts schlucken können, Speichel aus dem Mund läuft, Ihnen Atmen oder Sprechen schwerfällt, beim Einatmen ein hohes Geräusch zu hören ist, Sie den Mund nicht öffnen können, Mundinneres oder Hals rasch anschwellen oder eine hängende Gesichtshälfte und eine Sprachstörung hinzukommen.
Zu welcher Ärztin oder welchem Arzt geht man mit Schluckbeschwerden?
Die erste Adresse ist die Hausarztpraxis. Bei Beschwerden, die von Mund und Rachen ausgehen, kommt die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde ins Spiel, bei einem in der Brust steckenbleibenden Bissen die Gastroenterologie, bei neurologischen Befunden die Neurologie. Bei Verdacht auf eine von Zähnen oder Kiefer ausgehende Infektion die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie.
Ich habe einen Kloß im Hals, aber das Essen geht problemlos durch, sind das Schluckbeschwerden?
Meist nicht. MSD grenzt dieses Gefühl (Globus) von Schluckbeschwerden ab, weil der Durchgang des Bissens nicht gestört ist. Bestehen dennoch Heiserkeit, Gewichtsverlust oder ein Knoten am Hals, lassen Sie sich ärztlich untersuchen.
Mir ist ein Bissen im Hals stecken geblieben, was soll ich tun?
Können Sie nicht atmen, nicht sprechen und nicht husten, die 112. Ist die Atmung frei, können Sie aber auch Ihren Speichel nicht schlucken, gehen Sie noch am selben Tag in die Notaufnahme; MSD empfiehlt bei diesem Bild eine sofortige Endoskopie. Versuchen Sie nicht, feste Nahrung hinterherzuschlucken, um den Bissen hinunterzudrücken.
Kann ein Zahnabszess Schluckbeschwerden verursachen?
Ja, und das ist ein ernstes Zeichen. Geht eine Infektion von den unteren Backenzähnen unter den Kiefer und in den Hals über, können Schluckbeschwerden und Atemnot auftreten. Der NHS empfiehlt beim Zahnabszess die Notaufnahme, wenn Schlucken oder Atmen schwerfallen.
Erschwert Mundtrockenheit das Schlucken?
Ja, besonders bei trockenen und festen Speisen. Speichel lässt den Bissen gleiten. Eine systematische Übersicht über Studien bei älteren Menschen bringt Mundtrockenheit mit einer erhöhten Anstrengung beim Schlucken in Verbindung. Lassen Sie die Ursache in Ihrer Hausarztpraxis abklären.
Beeinflussen Zahnlosigkeit oder eine wackelnde Prothese das Schlucken?
Studien bringen wenige verbliebene Zähne und fehlende gegenüberliegende Zahnpaare bei älteren Menschen mit Schluckbeschwerden in Verbindung; diese Studien beweisen keinen ursächlichen Zusammenhang. Lässt sich der Bissen nicht gut kauen, kann das Schlucken schwerer fallen. Stellen Sie zuerst mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sicher, dass es keine andere Ursache für die Schluckbeschwerden gibt. Liegt das Problem nur darin, dass Sie wegen vieler fehlender Zähne oder einer nicht haltenden Prothese nicht kauen können, können Sie uns Ihr Röntgenbild des Kiefers über unser Formular senden, für eine Beurteilung, in der wir festsitzende Zähne auf Implantaten planen, die im tiefer liegenden Kieferknochen verankert werden.
Können Schluckbeschwerden ein Zeichen von Krebs sein?
Ja, deshalb sollten sie nicht aufgeschoben werden. MSD schreibt, dass bei allen Menschen mit Schluckbeschwerden eine Magenspiegelung erfolgen sollte, um Krebs auszuschließen, und NICE empfiehlt bei Schluckbeschwerden eine schnelle Überweisung bei Verdacht auf Speiseröhrenkrebs. Es gibt auch gutartige Ursachen wie eine refluxbedingte Engstelle; die Unterscheidung trifft die Endoskopie.
Quellen
- NHSDysphagia (swallowing problems)
- NHSSore throat
- NHSTonsillitis
- NHSEpiglottitis
- NHSDental abscess
- NHSDry mouth
- MSD Manual Professional EditionDysphagia
- MSD Manual Professional EditionEsophageal Foreign Bodies
- NICESuspected cancer: recognition and referral (NG12): Recommendations organised by site of cancer
- Oral and Maxillofacial Surgery (PubMed)Severe odontogenic deep neck space infections: risk factors for difficult airways and ICU admissions.
- Special Care in Dentistry (PubMed)Intraoral Condition as a Risk Factor for Dysphagia in Non-Hospitalized Older People: An Updated Systematic Review.
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