Schwellung und Infektion
Speicheldrüsenentzündung (Sialadenitis): Ursachen, Heilung und der Unterschied zum Speichelstein
Fieber, Rötung und eine harte Drüse, die überall druckempfindlich ist: Die Speicheldrüse selbst könnte infiziert sein
Die Speicheldrüsen liegen vor dem Ohr (Ohrspeicheldrüse, Parotis), unter dem Unterkieferknochen (Unterkieferspeicheldrüse) und unter der Zunge. Entzündet sich eine dieser Drüsen, spricht man in der Medizin von Sialadenitis. Die häufigste Ursache ist, dass Bakterien aus dem Mund bei vermindertem Speichelfluss durch den Gang in die Drüse vordringen. Viren wie Mumps, Steine, die den Gang verstopfen, und Erkrankungen des Immunsystems können eine ähnliche Schwellung verursachen. Unten finden Sie die Zeichen der bakteriellen Entzündung, die Hinweise, die sie vom Stein und von Mumps unterscheiden, die Behandlung zu Hause und in der Praxis, die Zeichen eines Übergangs in einen Abszess und warum eine wiederkehrende Entzündung abgeklärt wird.
Kurze Antwort
Eine Speicheldrüsenentzündung ist meist eine bakterielle Infektion der Ohrspeicheldrüse vor dem Ohr; sie entsteht, wenn der Speichel abnimmt oder der Gang verstopft ist. Typisch sind Fieber, Schüttelfrost und eine einseitige schmerzhafte Schwellung; die Drüse ist hart und überall druckempfindlich, die Haut darüber gerötet, und auf Druck kann Eiter aus der Gangmündung im Mund austreten. Behandelt wird mit Antibiotika, viel Flüssigkeit, Saurem zur Anregung des Speichels, warmen Umschlägen und Drüsenmassage; ein Abszess wird entleert. Lassen Sie sich noch am selben Tag untersuchen. Fallen Atmen, Sprechen oder Schlucken schwer, wählen Sie die 112.
- Am häufigsten betroffene Drüse
- Die Ohrspeicheldrüse vor dem Ohr
- Häufigstes Bakterium
- Staphylococcus aureus
- Nährboden
- Wenig Speichel oder ein verstopfter Gang
- Behandlung
- Antibiotikum, Flüssigkeit, saurer Reiz, Umschlag, Massage
Warum sich die Drüse infiziert und wie man es erkennt
Speichel ist eine ständig fließende Flüssigkeit, und dieser Fluss hält die Gänge sauber. Lässt der Fluss nach oder ist der Gang verstopft, können Bakterien aus dem Mund von der Gangmündung rückwärts in die Drüse vordringen. Die MSD Manuals schreiben, dass sich eine Sialadenitis meist nach einer verminderten Speichelbildung oder einer Verstopfung des Gangs entwickelt, manchmal aber auch ohne erkennbare Ursache auftritt. Der häufigste Erreger ist das Bakterium Staphylococcus aureus; auch Streptokokken und Bakterien, die ohne Sauerstoff leben, kommen vor.
Die Ohrspeicheldrüse ist die am häufigsten betroffene Drüse. Eine Übersicht in der Zeitschrift der American Academy of Family Physicians (Amerikanische Akademie der Hausärzte) schreibt, dass die Ohrspeicheldrüse anfälliger für Infektionen und Tumoren ist, weil sie ein wässrigeres und immunologisch schwächeres Sekret bildet, während die Unterkieferspeicheldrüse mehr als 80 Prozent der Steine ausmacht, weil sie ein kalziumreiches, dickflüssiges Sekret gegen die Schwerkraft durch einen langen Gang abgibt. Grob gesagt neigt die Drüse vor dem Ohr eher zur Infektion, die unter dem Kiefer eher zu Steinen; in beiden Drüsen kann aber beides vorkommen.
Auch bei wem sie häufiger auftritt, ist bekannt. MSD nennt Menschen in ihren 50ern und 60ern, chronisch Kranke mit Mundtrockenheit, Menschen mit den Immunerkrankungen Sjögren-Syndrom und IgG4-assoziierte Erkrankung, junge Menschen mit Magersucht (Anorexie) und bei Kindern zwischen 1 und 18 Jahren die wiederkehrende Ohrspeicheldrüsenentzündung. Die AAFP-Übersicht nennt Flüssigkeitsmangel, Mangelernährung, Medikamente und chronische Erkrankungen, die zu einem Speichelstau führen, als gemeinsamen Nährboden. Ein älterer Mensch, der ein Medikament nimmt, das den Mund austrocknet, und nicht genug trinken kann, ist ein typischer Kandidat für dieses Bild.
Das Bild der bakteriellen Entzündung ist recht deutlich. MSD schreibt, dass Fieber, Schüttelfrost sowie einseitige Schmerzen und Schwellung auftreten, dass die Drüse hart und überall druckempfindlich ist und die Haut darüber gerötet und geschwollen ist. Drückt man von außen auf die Drüse, tritt aus der Gangmündung im Mund oft Eiter aus. Der Gang der Ohrspeicheldrüse mündet an der Innenseite der Wange auf Höhe des oberen zweiten großen Backenzahns, der Gang der Unterkieferspeicheldrüse unter der Zunge hinter den Frontzähnen. Bei der Untersuchung drückt die Ärztin oder der Arzt auf die Drüse, prüft, ob an dieser Stelle Eiter austritt, und legt von dem Eiter eine Kultur an.
Der Unterschied zum Stein liegt im zeitlichen Ablauf. Beim Speichelstein beginnen Schwellung und Schmerz mit dem Essen; der NHS schreibt, dass es beim Essen zu starken Schmerzen kommen kann, wenn der Stein den Gang vollständig verschließt, und dass dies meist 1–2 Stunden anhält. Eine Schwellung, die nach dem Essen zurückgeht und von Mahlzeit zu Mahlzeit wiederkommt, lässt an einen Stein denken. Bei der bakteriellen Entzündung ist die Schwellung dagegen unabhängig vom Essen ständig vorhanden, der Schmerz anhaltend, und es besteht Fieber. Beide Bilder können auch ineinander übergehen: Eine Drüse, die lange verstopft bleibt, kann sich infizieren. Der NHS zählt Schmerzen, Rötung oder Eiter um den Stein und hohes Fieber zu den Zeichen einer Infektion. Den Stein selbst beschreiben wir ausführlich auf unserer Seite zum Speichelstein.
Auch der Unterschied zu Mumps ist wichtig. Der NHS schreibt, dass das Hauptzeichen von Mumps eine schmerzhafte Schwellung an Wange und Hals ist, die über einige Tage zunimmt, dass die Schwellung meist zuerst auf einer Seite beginnt und sich dann auf beide Seiten ausbreitet und dass vorher Kopfschmerzen, Fieber, Muskelschmerzen und Abgeschlagenheit auftreten können. Bei jemandem, der gegen Mumps geimpft ist oder Mumps schon hatte, ist Mumps weniger wahrscheinlich. Mumps ist eine Viruserkrankung; Antibiotika helfen nicht, und weil die Krankheit leicht übertragen wird, wird empfohlen, vor dem Arztbesuch anzurufen. Bei der bakteriellen Entzündung bleibt die Schwellung dagegen meist einseitig, und Eiter aus dem Gang ist typisch.
Die Zähne sollten bei diesem Bild nicht übersehen werden. In einer Studie mit 85 Patientinnen und Patienten, die an zwei großen Zentren in Deutschland wegen eines Ohrspeicheldrüsenabszesses operiert wurden, blieb die Ursache bei 42,4 Prozent unklar, 12,9 Prozent hingen mit einem Tumor zusammen, 11,8 Prozent mit einer Verstopfung und 11,8 Prozent mit einer Immunschwäche. Patientinnen und Patienten, bei denen ein Zahn die Quelle war, blieben länger im Krankenhaus, und die Autoren empfehlen eine routinemäßige zahnärztliche Untersuchung, um einen von den Zähnen ausgehenden Herd auszuschließen. In derselben Studie wird betont, dass eine feingewebliche Untersuchung der Abszessprobe zum Ausschluss eines Tumors unverzichtbar ist.
Die wiederkehrende Entzündung ist ein eigenes Thema. MSD schreibt, dass bei einer wiederkehrenden Entzündung, die mehr als eine Drüse betrifft, nach einer Ursache im Immunsystem gesucht werden sollte und dass Bluttests beim Sjögren-Syndrom und bei der IgG4-assoziierten Erkrankung helfen können. Auch bei Menschen, die eine Strahlentherapie der Mundhöhle oder eine Radiojodtherapie wegen Schilddrüsenkrebs erhalten haben, kann sich eine Ohrspeicheldrüsenentzündung entwickeln; MSD gibt an, dass diese besonders ohne Fieber selten bakteriell ist. Die Ursache der wiederkehrenden Ohrspeicheldrüsenentzündung bei Kindern ist unbekannt; sie tritt am häufigsten im Alter von 4–6 Jahren auf und vergeht meist in der Pubertät.
Welches Bild auf eine bakterielle Entzündung und welches auf eine andere Ursache oder einen Notfall hinweist
Die erste Liste enthält Zeichen, die auf eine bakterielle Speicheldrüsenentzündung hinweisen; auch dieses Bild verlangt eine ärztliche Untersuchung am selben Tag. Die zweite Liste enthält Zeichen, die auf eine andere Ursache oder einen Notfall hinweisen.
Wann es passt
- Einseitige, anhaltende, schmerzhafte Schwellung und FieberMSD nennt Fieber, Schüttelfrost und eine einseitige schmerzhafte Schwellung als typisches Bild der bakteriellen Entzündung. Die Schwellung kommt und geht nicht mit dem Essen.
- Die Drüse ist hart, überall druckempfindlich, die Haut darüber gerötetDass die ganze Drüse empfindlich ist und die Haut gerötet und geschwollen ist, weist darauf hin, dass die Entzündung in der Drüse selbst sitzt.
- Auf Druck auf die Drüse tritt Eiter aus der Gangmündung im Mund ausMSD schreibt, dass dieser Befund häufig ist und dass von dem Eiter eine Kultur angelegt werden sollte. Diese Kultur kann die Wahl des Antibiotikums leiten.
- Sie haben in den letzten Tagen wenig getrunken, waren krank oder haben ein Medikament begonnen, das den Mund austrocknetMSD nennt eine verminderte Speichelbildung als Nährboden dieser Entzündung; auch die AAFP zählt Flüssigkeitsmangel, Mangelernährung und Medikamente zu den Ursachen eines Speichelstaus.
Wann eher nicht
- Schwierigkeiten beim Atmen, Sprechen oder Schlucken, eine Schwellung, die sich auf den Hals ausbreitetDas weist darauf hin, dass sich die Infektion in die tiefen Räume des Halses ausgebreitet hat. Der NHS empfiehlt beim Zahnabszess die Notaufnahme, wenn Atmen, Sprechen oder Schlucken schwerfallen, der Mund innen stark geschwollen ist oder sich der Mund nicht öffnen lässt; dieselben Zeichen verlangen auch bei einer Speicheldrüsenentzündung eine Beurteilung ohne Warten. Wählen Sie die 112.
- Trotz Antibiotikum wächst die Schwellung, eine Stelle wird weich und schwapptMSD schreibt, dass eine umschriebene Vergrößerung in der Drüse auf einen Abszess hinweisen kann und dass ein Abszess entleert werden muss. Gehen Sie noch am selben Tag in eine HNO-Praxis oder in die Notaufnahme.
- Eine Schwellung, die nur beim Essen wächst und in ein bis zwei Stunden zurückgehtDas weist auf eine Verstopfung des Gangs hin, meist durch einen Stein. Ohne Zeichen einer Infektion ist das Vorgehen ein anderes.
- Schwellung beider Wangen, vorher Fieber, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit, nicht geimpftDas weist auf Mumps hin. Der NHS empfiehlt, vor dem Arztbesuch anzurufen, weil die Krankheit leicht übertragen wird.
- Ein schmerzloser Knoten ohne Fieber, der langsam wächst oder mit einer Schwäche im Gesicht einhergehtMSD schreibt, dass sich die meisten Speicheldrüsentumoren als schmerzloser Knoten zeigen und dass bösartige Tumoren Nerven befallen und eine Schwäche verursachen können. Das ist keine Entzündung; zeigen Sie ihn in einer HNO-Praxis.
Diagnose und Behandlung Schritt für Schritt
Die Reihenfolge beginnt bei den Atemwegen und richtet sich dann nach der Art der Entzündung und danach, ob ein Abszess vorliegt.
- 1
Notfallzeichen
Fallen Atmen, Sprechen oder Schlucken schwer, breitet sich eine Schwellung rasch auf den Hals aus oder lässt sich der Mund nicht öffnen, wählen Sie die 112. Liegt nichts davon vor, gehen Sie noch am selben Tag zur Hausärztin oder zum Hausarzt, in eine HNO-Praxis oder in die Notaufnahme.
- 2
Untersuchung und Kultur aus dem Eiter
Die Ärztin oder der Arzt beurteilt Größe, Konsistenz und Druckempfindlichkeit der Drüse, sieht sich im Mund die Gangmündung an und prüft durch Druck auf die Drüse, ob Eiter austritt. Tritt Eiter aus, wird er zur Kultur geschickt, um den Erregertyp und das wirksame Antibiotikum zu bestimmen. Auch eine Untersuchung der Zähne kann einen von den Zähnen ausgehenden Herd aufdecken.
- 3
Bildgebung
MSD schreibt, dass Ultraschall die bevorzugte erste Bildgebung ist und bei Kindern besonders bevorzugt wird und dass Computertomografie, Ultraschall oder Magnetresonanztomografie eine in der Untersuchung nicht deutliche Entzündung oder einen Abszess bestätigen können. Ultraschall kann auch einen Stein im Gang zeigen; MSD gibt an, dass die Magnetresonanztomografie einen verstopfenden Stein übersehen kann.
- 4
Antibiotikum
Bei der bakteriellen Entzündung empfiehlt MSD, mit einem gegen Staphylococcus aureus wirksamen Antibiotikum zu beginnen und es nach dem Ergebnis der Kultur anzupassen. Bei älteren Menschen in Pflegeheimen sind resistente Staphylokokken häufiger, sodass andere Medikamente nötig sein können. Welches Medikament wie lange genommen wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
- 5
Den Speichelfluss steigern
MSD und AAFP schreiben, dass viel Flüssigkeit, speichelanregende Dinge wie Zitronensaft oder saure Bonbons, warme Umschläge, Drüsenmassage und eine gute Mundhygiene wichtige Teile der Behandlung sind. Lassen Sie sich bei der Untersuchung von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zeigen, wie und wie oft massiert wird. MSD erwähnt auch Mundspülungen mit Chlorhexidin, um die Bakterienlast im Mund zu senken.
- 6
Entleerung bei einem Abszess
MSD schreibt, dass ein Abszess entleert werden muss. In der deutschen Studie wurde bei 92,9 Prozent der 85 Patientinnen und Patienten mit Ohrspeicheldrüsenabszess ein chirurgischer Schnitt gemacht, bei etwa der Hälfte erfolgte der Eingriff in örtlicher Betäubung, und bei keinem trat eine Lähmung des Gesichtsnervs auf. Die in dieser Abszessserie am häufigsten gefundenen Erreger waren Streptokokken. Aus der entnommenen Probe werden eine Erregerkultur und eine feingewebliche Untersuchung zum Ausschluss eines Tumors gemacht.
- 7
Suche nach der Ursache und Vorbeugung von Rückfällen
Nach der Heilung wird nach begünstigenden Ursachen gesucht, etwa einem Stein, einer Gangverengung, einer medikamentenbedingten Mundtrockenheit, einer Immunerkrankung oder einem Herd an einem Zahn. MSD erwähnt bei Verdacht auf einen Stein oder eine Verstopfung die Sialendoskopie, bei der der Gang mit einer dünnen Kamera untersucht und in derselben Sitzung behandelt werden kann, und bei chronischer, wiederkehrender Entzündung manchmal die teilweise oder vollständige Entfernung der Drüse.
Weitere Zustände, die eine Schwellung der Speicheldrüse verursachen
Bilder, die im selben Bereich eine Schwellung verursachen, aber anders behandelt werden. Die Unterscheidung treffen die Untersuchung und oft der Ultraschall.
Speichelstein
Schwellung und Schmerz, die mit dem Essen beginnen und dann zurückgehen. Die AAFP schreibt, dass Steine für bis zur Hälfte der Speicheldrüsenerkrankungen verantwortlich sind. Infiziert sich die Drüse, kommt das auf dieser Seite beschriebene Bild hinzu.
Mumps
Eine Viruserkrankung; meist beidseitige Schwellung von Wange und Hals, die mit Fieber zunimmt. Der NHS schreibt, dass Mumps meist innerhalb von 2 Wochen ohne Behandlung vergeht; es wird unterstützend behandelt.
Wiederkehrende Ohrspeicheldrüsenentzündung bei Kindern
Die Ursache ist unbekannt, sie beginnt am häufigsten im Alter von 4–6 Jahren und vergeht meist in der Pubertät. Die AAFP-Übersicht zählt sie in Gesellschaften, in denen die Mumpsimpfung verbreitet ist, zu den häufigsten Ursachen bei Kindern.
Sjögren-Syndrom und IgG4-assoziierte Erkrankung
Erkrankungen, bei denen das Immunsystem die Speicheldrüsen angreift. Man denkt daran bei einer wiederkehrenden Schwellung, die mehr als eine Drüse betrifft und mit trockenen Augen und trockenem Mund einhergeht; abgeklärt wird mit Bluttests und bei Bedarf einer Biopsie.
Von einem Zahn ausgehende Infektion und Lymphknoten
Eine Entzündung, die sich von einem Zahnabszess ausbreitet, oder ein Lymphknoten, der auf eine Infektion reagiert, kann im selben Bereich eine Schwellung verursachen. Dass kein Eiter aus dem Gang kommt und ein schmerzender Zahn vorhanden ist, weist in diese Richtung.
Speicheldrüsentumor
Meist ein schmerzloser Knoten ohne Fieber, der langsam wächst. MSD schreibt, dass 75–80 Prozent der Speicheldrüsentumoren gutartig sind und mit der Feinnadel beurteilt werden.
Häufige Fehlentscheidungen bei einer Speicheldrüsenentzündung
Im Folgenden die bei diesem Bild häufigen Fehlentscheidungen und ihr Preis.
Eine fieberhafte Drüsenschwellung zu Hause mit warmen Umschlägen loswerden wollen
Umschläge und Massage sind Teil der Behandlung, ersetzen bei einer bakteriellen Entzündung aber nicht das Antibiotikum. Die Autoren der deutschen Studie betonen, dass ein Ohrspeicheldrüsenabszess lebensbedrohlich verlaufen kann.
Weiter wenig trinken
Flüssigkeitsmangel verringert den Speichelfluss und bereitet so den Boden für die Entzündung. Besonders bei älteren Menschen und während einer Krankheit ist reichliches Trinken Teil der Behandlung.
Das Antibiotikum ohne Kultur häufig wechseln
MSD empfiehlt, eine Kultur aus dem Eiter anzulegen und das Antibiotikum nach dem Ergebnis anzupassen. Werden Medikamente ohne Kultur nacheinander gewechselt, können resistente Erreger übersehen werden.
Versuchen, den Stein mit einem spitzen Gegenstand aus dem Gang zu holen
Der NHS schreibt, dass der Versuch, einen Speichelstein mit einem spitzen Gegenstand zu entfernen, zu Verletzungen und Infektionen führen kann.
Eine wiederkehrende Entzündung jedes Mal nur mit Antibiotika überbrücken
Wiederholungen zeigen meist, dass ein Nährboden besteht: ein Stein, eine Engstelle, medikamentenbedingte Mundtrockenheit oder eine Immunerkrankung. In der deutschen Studie war bei 12,9 Prozent der Abszesse ein Tumor die Ursache; nach der zugrunde liegenden Ursache sollte gesucht werden.
Wie die Heilung nach der Behandlung verläuft
Die Zeiträume hängen davon ab, wie stark die Drüse betroffen ist, ob ein Abszess vorliegt und welche Ursache zugrunde liegt. Der folgende Ablauf fasst den üblichen Verlauf zusammen; die Anweisungen Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes haben Vorrang.
Die ersten Tage
Antibiotikum, viel Flüssigkeit, saurer Reiz, warme Umschläge und Massage werden zusammen angewendet. Schmerzmittel bringen Erleichterung. Es wird erwartet, dass Fieber und Schmerzen innerhalb weniger Tage nachzulassen beginnen; nehmen sie zu, gehen Sie wieder zur Ärztin oder zum Arzt.
Während der Antibiotikabehandlung
Nehmen Sie das Medikament so lange, wie Ihre Ärztin oder Ihr Arzt sagt, auch wenn die Schwellung zurückgeht. Wenn das Ergebnis der Kultur vorliegt, kann das Medikament gewechselt werden.
Wenn ein Abszess entleert wurde
Die Schnittstelle wird einige Tage mit Verbandwechseln kontrolliert. Fragen Sie beim Kontrolltermin nach dem Ergebnis der Gewebeuntersuchung; sie wird zum Ausschluss eines Tumors gemacht.
Nach der Heilung
Ist die Drüse nicht ganz abgeschwollen oder bleibt eine Verhärtung, kann ein Kontrollultraschall gemacht werden. Die Abklärung auf Stein, Engstelle oder Immunerkrankung wird in dieser Zeit abgeschlossen.
Langfristig
Medikamente, die den Mund austrocknen, mit der Ärztin oder dem Arzt zu überprüfen, ausreichend zu trinken und eine gute Mundhygiene sind Maßnahmen, die Rückfälle verringern. Die AAFP zählt die Anpassung von Medikamenten zur Behandlung.
Warten Sie in diesen Fällen nicht
- Schwierigkeiten beim Atmen, Sprechen oder Schlucken. Wählen Sie sofort die 112.
- Trotz Antibiotikum keine Besserung innerhalb weniger Tage oder die Schwellung wächst. Es könnte sich ein Abszess gebildet haben; gehen Sie noch am selben Tag zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder in die Notaufnahme.
- Schwäche im Gesicht, das Auge lässt sich nicht schließen oder der Mundwinkel hängt. Eine Beurteilung am selben Tag ist nötig; ist eine Gesichtshälfte plötzlich abgesackt, die 112.
- Die Schwellung ist nach der Heilung wochenlang als schmerzloser Knoten geblieben. Zeigen Sie ihn zum Ausschluss eines Tumors in Ihrer HNO-Praxis.
- Die Entzündung kehrt in derselben Drüse wieder. Bitten Sie um eine Abklärung auf Stein, Engstelle oder Immunerkrankung.
Was den Umfang der Behandlung bestimmt
Wir nennen hier keine Zahlen, denn der Umfang hängt stark von der Schwere und der Ursache der Entzündung ab. Diese Posten bestimmen den Umfang:
- Ambulant oder im Krankenhaus
- Eine leichte Entzündung wird mit Antibiotika zum Einnehmen zu Hause behandelt, bei einem schweren Bild können Antibiotika über die Vene und eine stationäre Aufnahme nötig sein.
- Abszess
- Liegt ein Abszess vor, kommen die Entleerung, eine Kultur und eine Gewebeuntersuchung hinzu.
- Bildgebung
- Ultraschall genügt oft; bei Verdacht auf eine tiefe Ausbreitung werden Computertomografie oder Magnetresonanztomografie angefordert.
- Zugrunde liegende Ursache
- Für einen Stein eine Sialendoskopie, für eine Immunerkrankung Bluttests und eine Biopsie, für einen Herd am Zahn eine Zahnbehandlung kommen zum Umfang hinzu.
Häufige Fragen zur Speicheldrüsenentzündung
Woran erkennt man eine Speicheldrüsenentzündung?
Typisch sind eine einseitige, schmerzhafte, harte Schwellung vor dem Ohr oder unter dem Kiefer, eine Rötung darüber und Fieber. Auf Druck auf die Drüse kann aus der Gangmündung im Mund Eiter austreten. Die Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt durch die Untersuchung und fordert bei Bedarf einen Ultraschall an.
Geht eine Speicheldrüsenentzündung von selbst vorbei?
Virusbedingte Entzündungen wie Mumps vergehen meist von selbst. Bei einer bakteriellen Entzündung mit Fieber, Rötung und Eiter ist dagegen ein Antibiotikum nötig; MSD schreibt, dass die Behandlung zusammen mit dem Antibiotikum aus Flüssigkeit, saurem Reiz, Umschlägen und Massage besteht.
Was hilft zu Hause bei einer Speicheldrüsenentzündung?
Viel Wasser, den Speichel mit Zitronensaft oder sauren Bonbons anregen, warme Umschläge, eine Drüsenmassage so, wie die Ärztin oder der Arzt sie zeigt, und eine gute Reinigung von Zähnen und Mund. Diese Maßnahmen begleiten die ärztlich verordnete Behandlung, ersetzen sie aber nicht.
Wie unterscheidet man einen Stein von einer Entzündung?
Beim Stein beginnt die Schwellung mit dem Essen und geht in ein bis zwei Stunden zurück; Fieber besteht nicht. Bei der Entzündung ist die Schwellung ständig vorhanden, der Schmerz anhaltend, und meist besteht Fieber. Da eine lange verstopfte Drüse sich infizieren kann, kann auch beides zusammen vorkommen.
Ist eine Speicheldrüsenentzündung ansteckend?
Eine bakterielle Entzündung gilt nicht als ansteckend; sie geht von den eigenen Bakterien im Mund aus. Mumps dagegen ist eine leicht übertragbare Viruserkrankung; der NHS empfiehlt, vor dem Arztbesuch anzurufen.
Zu welcher Ärztin oder welchem Arzt geht man?
In die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Auch die Hausärztin oder der Hausarzt kann die erste Beurteilung vornehmen und ein Antibiotikum beginnen. Bei einer wiederkehrenden Entzündung oder einem Abszess ist die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde oder die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie gefragt; sind mehrere Drüsen betroffen, kann auch die Rheumatologie hinzukommen.
Kann eine Zahnbehandlung mit einer Speicheldrüsenentzündung zusammenhängen?
Ein Herd an einem Zahn kann im selben Bereich eine Infektion verursachen. In der Studie zum Ohrspeicheldrüsenabszess aus Deutschland blieben Patientinnen und Patienten mit einem Herd an einem Zahn länger im Krankenhaus, und die Autoren empfehlen eine routinemäßige zahnärztliche Untersuchung. Haben Sie einen schmerzenden Zahn oder eine Zahnfleischschwellung, sagen Sie es Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Kommt eine Speicheldrüsenentzündung wieder?
Wird die begünstigende Ursache nicht beseitigt, kann sie wiederkehren. Abgeklärt werden Stein, Gangverengung, Medikamente, die den Mund austrocknen, und Immunerkrankungen wie das Sjögren-Syndrom. Bei einer wiederkehrenden Entzündung kann der Gang mit einer dünnen Kamera untersucht und behandelt werden; selten muss die Drüse entfernt werden.
Quellen
- MSD Manual Professional EditionSialadenitis
- American Family Physician (PubMed)Salivary Gland Disorders: Rapid Evidence Review.
- Head & Face Medicine (PubMed)Bi-institutional analysis of microbiological spectrum and therapeutic management of parotid abscesses.
- NHSSalivary gland stones
- NHSMumps
- MSD Manual Professional EditionSalivary Gland Tumors
- NHSDental abscess
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